14.05.2018
Diskussion

Zwischen Willkommenskultur und Rechtsruck: Polarisierungen in der postmigrantischen Gesellschaft

Wird gesellschaftliche Pluralisierung in gesellschaftlichen Institutionen wie etwa der Schule ausreichend berücksichtigt? Mit dieser Frage beschäftigte sich Prof. Dr. Juliane Karakayali, Professorin für Soziologie an der Evangelischen Hochschule Berlin. Hier finden Sie den Videomitschnitt.

Diagnosen über den Zustand der Migrationsgesellschaft in Deutschland werden oft aus einzelnen Ereignissen abgeleitet: während 2015 das breite zivilgesellschaftliche Engagement für die große Zahl neu ankommender Geflüchteter ein Indiz für die Bejahung, ein Einwanderungsland zu sein gedeutet wurde, wird seit September 2017 mit dem Einzug der AfD in den Bundestag von einem gesellschaftlichen Rechtsruck ausgegangen.

Der Vortrag analysierte diese Diskrepanz weder als Widerspruch noch als lineare Entwicklung, sondern vielmehr als Zeichen für eine Polarisierung in der „postmigrantischen Gesellschaft“. Diese postmigrantische Gesellschaft zeichnet sich zudem dadurch aus, dass Migration und Flucht einerseits zu einer gesellschaftlichen Pluralisierung beigetragen haben, die alltagsweltlich von großer Bedeutung ist. Andererseits aber wird diese Pluralisierung nach wie vor nur bedingt in gesellschaftlichen Institutionen berücksichtigt. Dies wurde am Beispiel der Praxis der separierten Beschulung von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen in Berlin aufgezeigt.

Prof. Dr. Juliane Karakayali wurde im Fachbereich Soziologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main promoviert. Seit 2010 ist sie Professorin für Soziologie an der Evangelischen Hochschule Berlin und arbeitet aktuell in einem Projekt zu ethnisierten Grenzziehungen in schulorganisatorischem Handeln. Sie ist Mitglied im Rat für Migration, ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Migration, Geschlechterforschung und soziale Ungleichheit.

Dokumentation der Jahrestagung 2018