Bericht

Sprachliche Bildung und Zuwanderung: eine Zwischenbilanz

Wie können neu zugewanderten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen die notwendigen Kompetenzen für eine erfolgreiche Bildungskarriere vermittelt werden? Welche Herausforderungen, Lösungen und bewährte Ansätze gibt es drei Jahre nach den großen Flucht- und Migrationsbewegungen in 2015? Diesen und anderen Fragen widmete sich die fünfte Jahrestagung des Mercator-Instituts mit dem Titel „Sprachliche Bildung und Zuwanderung: eine Zwischenbilanz“ am 19. und 20. Februar 2018. Hier finden Sie die Dokumentation der Tagung mit Videomitschnitten, Berichten, Fotos und Eindrücken der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Der Zugang zu und die Teilhabe an Bildung sind maßgeblich dafür, dass die Integration neu zugewanderter Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland gelingen kann. Den Bildungseinrichtungen kommt bei diesem Integrationsprozess eine bedeutende Rolle zu. Die individuellen Biografien der Geflüchteten und ihr jeweiliger Bildungsstand gestalten sich allerdings sehr unterschiedlich und stellen das Bildungssystem in allen Bereichen vor vielfältige Herausforderungen.

Bereits 2015 stand im Rahmen der Tagung „Neu zugewanderte Kinder und Jugendliche in der Schule“ – ausgerichtet vom Mercator-Institut und dem Zentrum für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln – die Frage im Zentrum, wie Schule und Unterricht für Kinder und Jugendliche ohne Deutschkenntnisse aussehen müssen, um die notwendigen Kompetenzen zu vermitteln und gleichzeitig Potenziale zu fördern. Zwei Jahre später ist zu fragen: Was ist seitdem passiert? Wo sind neue Antworten und wo sind neue Fragen entstanden? Welche Maßnahmen haben sich bewährt und wie kann deren Nachhaltigkeit gesichert werden?

Diesen Fragen widmete sich die fünfte Jahrestagung des Mercator-Instituts "Sprachliche Bildung und Zuwanderung: eine Zwischenbilanz" am 19. und 20. Februar 2018 in Köln. Auf dieser und den folgenden Seiten finden Sie die Dokumentation der Vorträge und der parallelen Formate.

Die Mitmachstationen im Foyer luden während der Tagung dazu ein, sich mit Erfahrungen und Wünschen von Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern auseinanderzusetzen. Hier finden Sie eine Auswahl der abgegebenen Statements:

„Für mich war es immer der schönste Moment, wenn die Schüler ihren Schulabschluss in der Hand und einen Ausbildungsplatz sicher hatten.“ (Lehrerin)

„Die Frage nach schulischer Weiterentwicklung beschäftigt die meisten Kinder (und Eltern) sehr.“ (Lehrer)

„Ich möchte Ärztin werden und in einem großen Krankenhaus arbeiten“ (Arelo, 15)

„Ich möchte ein ruhiges Leben haben. Es soll nicht immer so sein, dass ich von Krise zu Krise lebe.“ (Schüler)

Schüler: „Morgen ist der Tag, wenn zwei Teile bekommen eins.“ (Gemeint war der Tag der Deutschen Einheit)

Während der Plenumsphasen konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer via Smartphone oder Tablet Fragen an die Referentinnen und Referenten stellen oder die Vorträge kommentieren. Hier finden Sie einige Fragen an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Diskussionsrunde zu „Sprachlicher Bildung und Zuwanderung. Eine Zwischenbilanz“: 

„Das (Schul-)System arbeitet gegen Inklusion und Integration. Wie kann man Strukturen verändern? Eine Schule für alle?!“

„Wie kann man sicherstellen, dass Lehrkräfte für herkunftssprachlichen Unterricht über eine entsprechende didaktische Ausbildung verfügen?“

„Das, was wir nur in Pilot- oder ehrenamtliche Projekten in Deutschland hinsichtlich einer adäquaten psychologischen, sozialen und sprachlichen Unterstützung neu zugewanderter Schülerinnen und Schülern hinbekommen, wird in klassischen Einwanderungsländern seit Jahrzehnten landesweit umgesetzt. Wann werden wir endlich ein richtiges Einwanderungsland?“

Auch während des Peer-to-Peer-Austauschs im Anschluss an den Vortrag von Prof. Dr. Piet van Avermaet wurde rege diskutiert. Hier eine Auswahl der eingereichten Einschätzungen und Fragen:

„Lots of what you told us is not new (e.g. you cited Cummins 2001) – it seems that nothing happened during the past 20 years (notably in Germany)...what is your explanation for that?“

„Bilingual education models predominantly follow the ‚one-person-one-language-strategy’ – In my view this strategy does not account for the reality of bi-/multilinguals (in the sense of what Ingrid Gogolin termed ‚lebensweltliche Mehrsprachigkeit’).“

„What is a more appropriate method to measure home language use than usual methods such as questionnaires and diaries?“

Nachgefragt bei ... Ministerin Yvonne Gebauer

Wie haben die Flucht- und Migrationsbewegungen der letzten Jahre das Bildungssystem verändert? Das Mercator-Institut hat im Rahmen seiner Jahrestagung „Sprachliche Bildung und Zuwanderung: eine Zwischenbilanz“ im Februar 2018 bei NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer nachgefragt.

Nachgefragt bei ... Michael Becker-Mrotzek

Was weiß die Wissenschaft über erfolgreichen Unterricht mit neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen? Das Mercator-Institut hat im Rahmen seiner Jahrestagung „Sprachliche Bildung und Zuwanderung:eine Zwischenbilanz“ im Februar 2018 bei Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek, Direktor des Mercator-Instituts, nachgefragt.

Nachgefragt bei ... Marion Berkenhoff

Welche Unterstützung wünschen sich Schulen? Das Mercator-Institut hat im Rahmen seiner Jahrestagung „Sprachliche Bildung und Zuwanderung: eine Zwischenbilanz“ im Februar 2018 bei Marion Berkenhoff, Lehrerin am Schiller Gymnasium in Köln, nachgefragt.
Informationen zu diesem Thema

Zuwanderung beim Mercator-Institut

Zu-, Ein- und Auswanderung begleiten die Geschichte Deutschlands wie die anderer Staaten und Regionen auch. Bleiben die Familien auf Dauer in Deutschland, handelt es sich um Einwanderung. Ein aktuelles Thema ist die seit 2012 zahlenmäßig erkennbar gestiegene Zuwanderung von Familien mit schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen, die über keine oder nur sehr geringe Deutschkenntnisse verfügen. Schulen und Lehrkräfte fühlen sich häufig überfordert. Darüber hinaus herrscht ein Mangel an wissenschaftlich geprüften Konzepten und wirksamen Förderinstrumenten.

Wie gelingt es, die Schülerinnen und Schüler möglichst früh in das Schulleben zu integrieren und ihnen gleichzeitig eine möglichst umfassende Sprachförderung zu ermöglichen? Welche Unterstützungs- und Fortbildungsangebote brauchen Lehrkräfte? Wie können Akteure vor Ort zusammenarbeiten, um allen Schülerinnen und Schülern den Zugang zu Bildung und Teilhabe zu erleichtern? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Netzwerk Neu zugewanderte Kinder und Jugendliche in der Schule, in dem Wissenschaftlerinnen aus dem Mercator-Institut , dem Zentrum für LehrerInnenbildung und dem Arbeitsbereich Interkulturelle Bildungsforschung zusammenarbeiten.

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