14.05.2018
Bericht

Schulorganisatorische Modelle und der Übergang ins Regelsystem

Der Übergang ins Regelsystem ist durch verschiedene schulorganisatorische Modelle strukturiert, die von unterschiedlichen Faktoren abhängig sind und sich somit unterschiedlich auf die beteiligten Akteurinnen und Akteure auswirken können.
Ziel des Fachgesprächs war es, einen Austausch zwischen Perspektiven und Erfahrungen aus Wissenschaft, Schulpraxis sowie Bildungspolitik und -verwaltung zu ermöglichen und kritische Momente dieser Thematik herauszuarbeiten. Zudem wurden Beispiele guter Praxis vorgestellt und neue Möglichkeiten für die Gestaltung des Übergangs diskutiert.

Vor dem Hintergrund der bundesweit heterogenen Gestaltung von schulorganisatorischen Modellen besteht aus Sicht der Wissenschaft ein Desiderat an Wirksamkeitsforschung in Bezug auf die einzelnen Modelle des Übergangs. Es erscheint aber nicht sinnvoll, ein „best-practice-Modell“ für den Übergang zu wählen sondern vielmehr empirische Befunde zu den verschiedenen Modellen in verschiedenen Kontexten zu sammeln und schließlich unterschiedliche Handlungsempfehlungen für die Umsetzung z. B. in verschiedenen Schulformen, in der Stadt und auf dem Land etc. abzuleiten. Relevant ist hier die Autonomie der einzelnen Schulen, um den individuellen Blick auf neu zugewanderte Kinder und Jugendliche zu gewährleisten.

Die komplexe Aufgabe, neu zugewanderte Kinder und Jugendliche optimal bei ihrem Einstieg in das deutsche Schulsystem zu begleiten, führt häufig dazu, dass sich Lehrkräfte überfordert und alleingelassen fühlen. Aus Sicht der Praxis besteht daher weiterhin ein Bedarf an Qualifizierung im Bereich sprachsensibler Fachunterricht, an Beratung und Betreuung bei der Arbeit in multiprofessionellen Teams, der Arbeit mit den Rahmenrichtlinien im Bereich Deutsch als Zweitsprache sowie zum Thema interkulturelle und sprachsensible Schulentwicklung.

Ein zentraler Diskussionspunkt des anschließenden „offenen Fachgesprächs“ war beispielsweise das Verständnis des Übergangs und dessen Abgrenzung. Es wurde diskutiert, den Begriff weiter zu fassen, statt den Schulabschluss als Ende des Übergangs zu betrachten. Als Anregung für die Wissenschaft wurde formuliert, Langzeitstudien zu Bildungsbiographien von neu zugewanderten Schülerinnen und Schülern durchzuführen. Solche Studien würden es ermöglichen, den Übergang differenzierter zu betrachten und ihn dadurch neu zu definieren.

Auch die Schülerinnen- und Schülerperspektive konnte im Rahmen des offenen Fachgesprächs eingebunden werden. Insbesondere unsichere Rahmenbedingungen – wie z. B. eine fehlende Bleibeperspektive – erschwert es vielen Schülerinnen und Schülern, sich ausreichend auf die schulischen Lernanforderungen zu konzentrieren. Daher ist es wichtig, ressourcenorientiert an die Schülerinnen und Schüler heranzutreten und individuelle Aspekte wie ihre Motivation und Potenziale kennenzulernen und in den Schulalltag einzubeziehen. Neben dem fachlichen und sprachlichen Lernen spielt auch die Beziehungsebene (zu Lehrkräften und zwischen den Schülerinnen und Schülern) eine bedeutsame Rolle, die durch eine ressourcenorientierte Perspektive besser aufgebaut werden kann.

Zum Weiterlesen

Brüggemann, Christian & Nikolai, Rita (2016). Das Comeback einer Organisationsform: Vorbereitungsklassen für neu zugewanderte Kinder und Jugendliche. Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung.
Decker-Ernst, Yvonne (2017). Deutsch als Zweitsprache in Vorbereitungsklassen – Eine Bestandsaufnahme in Baden-Württemberg. Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren.
Decker-Ernst, Yvonne (2017). „Was macht ihr in eurer Freizeit?“ Systematische Wortschatzarbeit in Vorbereitungsklassen. Praxis Deutsch 263, 34-45.
Decker-Ernst, Yvonne (2017). Deutsch als Zweitsprache in Vorbereitungsklassen. In Bernt Ahrenholz & Ingelore Oomen-Welke (Hrsg.). Deutsch als Zweitsprache. Deutschunterricht in Theorie und Praxis. Neuauflage. Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren. 211-22
Decker-Ernst, Yvonne (2018, i. E.). Heterogenität in Vorbereitungsklassen – Was heißt das eigentlich? In Diana Gebele & Alexandra L. Zepter (Hrsg.). Deutsch als Zweitsprache. Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren.
Decker-Ernst, Yvonne (2018, i. E.). Vorbereitungsklassen: Wer bereitet wen auf was vor? Ausgewählte Ergebnisse aus einer landesweiten Untersuchung in Baden-Württemberg. In Beiträge zur Fremdsprachenforschung (BFF). Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren.
Otto, Johanna; Migas, Karolin; Austermann, Nora & Bos, Wilfried (2016). Integration neu zugewanderter Kinder und Jugendlicher ohne Deutschkenntnisse. Möglichkeiten, Herausforderungen und Perspektiven. Münster: Waxmann.
Vogel, Dita & Stock, Elina (2017). Opportunities and Hope Through Education: How German Schools Include Refugees. Brussels: Education International, Nov (2017).
Leitfaden für Lehrkräfte zum Übergangsmanagement von Schülerinnen und Schülern aus den Sprachlernklassen in die Regelklassen (DaZNet Oldenburg, Fachberatung IKB an der Landesschulbehörde Osnabrück)
Donath, Silke et. al. (2015). Von der Lerngruppe für Neuzugänge ohne Deutschkenntnisse in die Regelklasse – Ein dokumentierendes Verfahren. Ludwigsfelde-Struveshof: Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM)
Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg (2017). Übergang IVK-Regelklasse.

Dokumentation der Jahrestagung 2018