© A. Etges/Mercator-Institut

Unterstützungsangebot zur sprachlichen Bildung in mehrsprachigen Klassen

Schülerinnen und Schüler einer Klasse verfügen über verschiedene sprachliche Fähigkeiten. Weil diese wesentlich über den Bildungserfolg entscheiden, ist es wichtig, dass Lehrkräfte ihren Unterricht sprachsensibel gestalten und die sprachlichen Kompetenzen ihrer Schülerinnen und Schüler systematisch fördern. Um den Lehrkräften dabei behilflich zu sein, hat das Mercator-Institut – zusammen mit der Arbeitsstelle Migration der Bezirksregierung – das Gemeinsame Unterstützungsangebot geschaffen. Ziel dieses Angebots ist es, die Lehrkräfte bedarfsgerecht mit Möglichkeiten zur Diagnose und Förderung sprachlicher Fertigkeiten vertraut zu machen, diese Förderansätze zu erproben und an den Schulen zu implementieren. Eine zentrale Rolle spielt dabei, wie Lehrkräfte die Mehrsprachigkeit der Lernenden als Ressource nutzen können. 

Das Angebot wurde seit dem Start im Jahr 2014 stetig weiterentwickelt und auf die Bedarfe abgestimmt, die Lehrkräfte aus der Praxis heraus formuliert haben. 

Unterstützungsangebot von 2014 bis 2019

Während der Schwerpunkt in den Jahren 2014 bis 2017 auf dem Unterricht in internationalen Vorbereitungsklassen der Sekundarstufe lag, wurden im Schuljahr 2018/19 Lehrkräfte der Primarstufe darin weitergebildet, schriftsprachliche Fähigkeiten zu diagnostizieren und zu fördern. Im Schuljahr 2019/20 begleiteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Mercator-Instituts Grundschullehrkräfte dabei, das Konzept Lesen macht stark zu implementieren. Das ist ein Instrument, das sich zur Diagnostik und Förderung von Lese- und Schreibfähigkeiten in der Primarstufe eignet. Besonderer Wert wurde darauf gelegt, den teilnehmenden Lehrkräften zu vermitteln, wie sie im Zuge der Umsetzung die Mehrsprachigkeit der Schülerinnen und Schüler gewinnbringend in ihrem Unterricht nutzen können.

Unterstützungsangebot ab Schuljahr 2020/21

Zum Schuljahr 2020/21 ist das Unterstützungsangebote wiederum neu konzipiert worden. Es bietet interessierten Lehrkräften von Grundschulen im Regierungsbezirk Köln die Möglichkeit, vielfältige, praxiserprobte Verfahren, Methoden und Materialien für eine sprachsensible Unterrichtsgestaltung kennenzulernen, auszuprobieren und zu implementieren. Dieses Angebot findet im Rahmen der Initiative Transfer von Sprachbildung, Lese- und Schreibförderung (BiSS-Transfer) in Nordrhein-Westfalen statt, dem Folgeprogramm der 2013 gestarteten bundesweiten Initiative zur Sprachdiagnostik und -förderung Bildung durch Sprache und Schrift (BiSS). Ziel der Transferinitiative ist es, die Ergebnisse aus BiSS möglichst vielen Schulen zugänglich zu machen. Dafür werden Transferverbünde gegründet, innerhalb derer Wissen und Erfahrungen zu gut erprobten Konzepten sprachlicher Bildung aus Impulsschulen an Transferschulen weitergegeben werden. Zwei dieser Transferverbünde im Regierungsbezirk Köln sind Bestandteil des neu konzipierten Unterstützungsangebots.

Angebot besteht aus drei Bausteinen

Um entsprechende Maßnahmen der sprachlichen Bildung nachhaltig an Schulen zu implementieren, setzt sich das Angebot aus verschiedenen Bausteinen zusammen, die eng miteinander verzahnt sind. Der erste Baustein ist die Basis-Unterstützung (Schuljahr 2020/21) mit praxisorientierten Workshops, in denen grundlegende Aspekte (schrift-)sprachlicher Bildung und mehrsprachigen Lernens vermittelt und durch Online-Anteile flankiert werden.

Daran anschließend haben die Lehrkräfte der teilnehmenden Schulen die Möglichkeit, eines von zwei Profil-Angeboten auszuwählen (Schuljahr 2021/22): Profil-Unterstützung A Prinzipien zur Sprachbildung nach dem DemeK-Konzept: die DemeK-Literaturwoche und Profil-Unterstützung B Mehrsprachige Leseförderung. Profil A ist Teil des Transferverbunds DemeK mit BiSS. Es thematisiert Konzepte für den sprachsensiblen Unterricht in allen Fächern, in dem Schülerinnen und Schüler grammatische Strukturen implizit erwerben und Lehrkräfte die Herkunftssprachen der Schülerinnen und Schüler berücksichtigen. Profil B ist im Transferverbund Mehrsprachiges Reziprokes Lesen verankert und umfasst eine strukturierte Einführung in diese Methode sowie ihre Implementation in den Unterricht.

In der anschließenden Netzwerkphase (ab Schuljahr 2022/23) profitieren die Schulen der teilnehmenden Lehrkräfte durch einen regelmäßig stattfindenden kollegiumsübergreifenden Erfahrungsaustausch von der Kooperation mit anderen Schulen. Während der gesamten Dauer des Unterstützungsangebots begleiten Schulentwicklungsberaterinnen und Schulentwicklungsberater die Implementierung der Sprachfördermaßen an den Schulen.

Anmeldung und Arbeitsumfang 

Interessierte Grundschulen aus dem Regierungsbezirk Köln können mit jeweils zwei Lehrkräften am Unterstützungsangebot teilnehmen. Sie melden sich zunächst für die Basis-Unterstützung (Schuljahr 2020/21) an und entscheiden später, ob sie an der Profil-Unterstützung (Schuljahr 2021/22) und an der Netzwerkphase (Schuljahr 2022/23) teilnehmen möchten.

Der Arbeitsumfang umfasst im ersten Schuljahr der Basis-Unterstützung:

  • Präsenzzeit der Seminartermine: 16 Stunden
  • individuelle Erprobungen im eigenen Unterricht: ca. 9 Stunden
  • Schulentwicklungsberatung: ca. 12 Stunden (2 Sitzungen pro Quartal à 2 Stunden)

Geplant ist, die Seminarsitzungen im Wechsel an den beteiligten Schulen durchzuführen. Sollte dies aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich sein, werden stattdessen Videokonferenzen organisiert.

Termine für die Basis-Unterstützung (Schuljahr 2020/21)

  • Anmeldezeitraum: 18.08. bis 14.09.2020
  • Auftaktveranstaltung: 07.10.2020, 9 bis 16 Uhr
  • Nachmittag 1: 25.11.2020, 14 bis 17 Uhr
  • Nachmittag 2: 24.02.2021, 14 bis 17 Uhr
  • Nachmittag 3: 28.04.2021, 14 bis 17 Uhr

Auf einen Blick

Ziel

Das Angebot dient der Unterstützung einzelner Lehrkräfte und Kollegien im Regierungsbezirk Köln bei der Förderung sprachlicher Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen.

Kooperationspartner

Arbeitsstelle Migration der Bezirksregierung Köln

ZMI – Zentrum für Mehrsprachigkeit und Integration Köln

Laufzeit

seit 2014

Projektleiter

Dr. Christoph Gantefort

Projektteam

Dr. Peter Weber

Nadine Steckenborn

Mathias Fehn