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Online-Seminar Orthographie lehren und lernen

Der IQB-Bildungstrend (2016) hat für die Grundschule gezeigt, dass im Bundesdurchschnitt 22,1 Prozent der Viertklässlerinnen und Viertklässler den Mindeststandard im Bereich Orthographie verfehlen. Damit haben sich die Leistungen der Kinder gegenüber 2011 um mehr als 10 Prozentpunkte verschlechtert. Die Orthographie ist ein wichtiges Werkzeug für flüssiges Lesen und Schreiben und hängt direkt mit der Förderung der Lese- und Schreibfähigkeiten zusammen. Deswegen sollten die Kinder sie am Ende der Grundschulzeit so weit beherrschen, dass sie sie für Lese- und Schreibprozesse nutzen können. Dafür ist es wichtig, die Lehrkräfte entsprechend zu qualifizieren und für einen kompetenten Umgang mit verschiedenen Methoden und Konzepten zu schulen.

Aus diesem Grund bietet das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache gemeinsam mit kooperierenden Bundesländern ein Online-Seminar an. Dieses besteht aus mehreren Teilen, richtet sich an die Lehrkräfte aus den beteiligten Bundesländern und ist kostenlos. Es behandelt Orthographie als sprachliches Werkzeug für das Lesen und Schreiben und entspricht grundsätzlich den Vorgaben der beteiligten Länder. In den Sitzungen des Online-Seminars werden länderspezifische Programme sowie Instrumente und Materialien berücksichtigt.

Ablauf des Online-Seminars

Die Kurse werden mit der Software Adobe Connect als Online-Seminar durchgeführt. So können sich die Teilnehmenden aktiv an der Fortbildung beteiligen und ihre Fragen stellen. Interessierte loggen sich über einen Link unkompliziert und ohne Passwort direkt in das Online-Seminar ein.

Technische Voraussetzungen sind die Installation des aktuellen Flashplayers (außer iPad/iPhone) sowie ein Headset – alternativ sind auch die Kopfhörer eines Handys möglich –, damit sich die Teilnehmenden mit Wortbeiträgen beteiligen können. Empfehlenswert ist, dass die Teilnehmenden etwa zehn Minuten Zeit einplanen, um vor dem ersten Termin bzw. bei der Nutzung eines anderen Computers oder Headsets den Audio-Test-Service für Online-Seminare zu machen.

Die Teilnehmenden können Adobe Connect mit Windows 7, 8 und 10, Android Systemen oder mit dem iPhone/iPad nutzen. Wenn sie ohne Flashplayer arbeiten, sollten sie sich Adobe Connect auf ihren Rechner laden:

Inhalte der einzelnen Teile des Online-Seminars und weiterführendes Material

Sitzung 1: Wie funktionieren Schrift und Orthographie?

In dieser Sitzung werden grundlegende Einsichten in die deutsche Orthographie vermittelt. Dabei geht es zum Beispiel um die Zusammenhänge zwischen Buchstaben und Lauten (phonographisches Prinzip) oder das morphematische Prinzip, das besagt, dass der Wortstamm immer gleich geschrie­ben werden muss, wie bei fahren = sie fährt und nicht sie *fert. Die Teilnehmenden besprechen auch grammatische Anteile der Orthographie, wie etwa die Groß- und Kleinschreibung. Die Veranstaltung zeigt, dass die Orthographie systematisch darstellbar ist und ihr Regularitäten zugrunde liegen, die Lehrkräfte benennen und die sie explizit unterrichten können.

Weiterführende Literatur

Becker-Mrotzek, M., Günther, H. & Jambor-Fahlen, S. (2015): Lesen und Schreiben lehren und lernen - Ein integratives Konzept für den Anfangsunterricht. Schulmanagement-Handbuch. Band 154. München: Oldenbourg.

Eisenberg, P. (2004): Grundriß der deutschen Grammatik. Band 1: Das Wort. 2., überarbeitete und aktualisierte Auflage. Stuttgart & Weimar: Metzler Kapitel 8, 301-357.

Müller, A. (2010): Rechtschreiben lernen. Die Schriftstruktur entdecken - Grundlagen und Übungsvorschläge. Stuttgart & Seelze: Klett & Kallmeyer.

Sitzung 2: Wie erwerben Kinder unser Schriftsystem?

In dieser Sitzung werden Schriftspracherwerbsmodelle vorgestellt und kritisch hinterfragt. Zudem werden die wichtigsten Schritte im Schrifterwerb behandelt, also der Weg von der phonographischen hin zur orthographischen Schreibung. 

Weiterführende Literatur:

Becker, T. (2008): Modelle des Schriftspracherwerbs: Eine kritische Bestandsaufnahme. Didaktik Deutsch, Heft 25, 78-95.

Budde, M., Riegler, S. & Wiprächtiger-Geppert, M. (2012): Sprachdidaktik. Berlin: Akademie Verlag [Kapitel 4].

Schründer-Lenzen, A. (2013). Schriftspracherwerb. Wiesbaden: Springer Verlag für Sozialwissenschaften.

Vogt, M. (2004): Zuerst Sofa – später Sofer? Nutzen und Risiken von Schrifterwerbsmodellen. In: Grundschule, H.11, S. 24-28.
 

Sitzung 3: Wie kann die Rechtschreibkompetenz diagnostiziert werden?

In dieser Sitzung werden unter der Maxime Keine Diagnose ohne Förderung und keine Förderung ohne Diagnose verschiedene Diagnostika mit ihren Vor- und Nachteilen thematisiert. Dazu gehören standardisierte und informelle Verfahren. Zudem lernen die Teilnehmenden länderspezifische Ansätze kennen, mit denen sie Rechtschreibleistungen diagnostizieren können. Dazu zählen standardisierte Verfahren sowie Diagnosetools für die individuelle Diagnostik.

Weiterführende Literatur:

Ehlich, K., Bredel, U., Garme, B., Komor, A., Krumm, H. J., MacNamara, T. & Bergh, H. V. D. (2005). Anforderungen an Verfahren der regelmäßigen Sprachstandsfeststellung als Grundlage für die frühe und individuelle Förderung von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund. Bildungsreform; 11.

Jambor-Fahlen, S., Bredthauer, S., Hippmann, K. & Becker-Mrotzek, M. (2019). Diagnostik im Fach Deutsch - Literale Kompetenzen in der Grundschule. In: Zimmermann, Friederike, Möller, Jens, Riecke-Baulecke, Thomas (Hrsg.): Basiswissen Lehrerbildung: Diagnostik im schulischen Kontext. Seelze: Klett-Kallmeyer.

Schneider, W., Baumert, J., Becker-Mrotzek, M., Hasselhorn, M., Kammermeyer, G., Rauschenbach, T., Roßbach, H.-G., Roth, H.-J., Rothweiler, M. & Stanat, P. (2012). Expertise» Bildung durch Sprache und Schrift (BISS)«(Bund-Länder-Initiative zur Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung). Verfügbar unter: biss-sprachbildung.de/pdf/biss-website-biss-expertise.pdf.

Sitzung 4: Wie kann Rechtschreibkompetenz im Unterricht mit der gesamten Klasse entwickelt werden?

In dieser Sitzung werden didaktische Konzepte für den Schrifterwerb im Klassenverband vorgestellt und gängige Ansätze kritisch diskutiert. Im Zentrum steht die Frage, wie Lehrkräfte die grundlegenden orthographischen Prinzipien, etwa dass Buchstaben in einem Zusammenhang mit Lauten stehen (phonographisches Prinzip) und der Wortstamm immer gleich geschrieben wird (morphematisches Prinzip), sicher vermitteln können.

Weiterführende Literatur:

Becker-Mrotzek, M., Günther, H. & Jambor-Fahlen, S. (2015): Lesen und Schreiben lehren und lernen - Ein integratives Konzept für den Anfangsunterricht. Schulmanagement-Handbuch. Band 154. München: Oldenbourg.

Bredel, U., Fuhrhop, N., & Noack, C. (2011): Wie Kinder lesen und schreiben lernen. Tübingen: Francke.

Brinkmann, Erika (Hrsg.): (2015): Rechtschreiben in der Diskussion – Schriftspracherwerb und Rechtschreibunterricht. Beiträge zur Reform der Grundschule, Bd. 140. Grundschulverband: Frankfurt.

Sitzung 5: Wie können Schülerinnen und Schüler mit Schwierigkeiten in der Orthographie gezielt gefördert werden?

In dieser Sitzung beschäftigen sich die Teilnehmenden damit, wie sie die Kinder, die erhebliche und andauernde Schwierigkeiten mit der Orthographie haben, gezielt fördern können. Dabei geht es auch um die Einsicht, dass sich solche Probleme nicht von alleine lösen, sondern Kinder dafür oftmals eine zusätzliche Förderung benötigen.

Weiterführende Literatur:

Dahmen, Silvia (2012): Orthografiefehler bei DaZ-Lernern-Ursachen, Diagnostik und Training. In: Michalak, Magdalena; Kuchenreuther, Michaela (Hrsg.): Grundlagen der Sprachdidaktik Deutsch als Zweitsprache. Baltmannsweiler: Schneider, 143-162.

Hanisch, A.-K. (2018): Kognitive Aktivierung im Rechtschreibunterricht. Eine Interventionsstudie in der Grundschule. Münster: Waxmann.

Müller, A. (2017): Rechtschreiben lernen. Die Schriftstruktur entdecken - Grundlagen und Übungsvorschläge. 2., überarbeitete Auflage. Stuttgart & Seelze: Klett & Kallmeyer.

Anmeldung und Termine

Derzeit findet kein Online-Seminar statt. Neue Termine werden an dieser Stelle bekannt gegeben.