Wissen! Was wirkt?

Wissen aufbereiten nach Standards der Evidenzbasierung

Wissen! Was wirkt? schlägt eine Brücke zwischen Forschung, Politik und Praxis. Das Mercator-Institut trägt vorhandenes Wissen über die Wirksamkeit von Konzepten, Maßnahmen oder Modellen im Bereich sprachliche Bildung zusammen. Dieses Wissen wird nach festgelegten Gütekriterien bewertet und neu kombiniert. Zudem bereitet das Mercator-Institut die daraus gezogenen Schlussfolgerungen zielgruppenspezifisch in verschiedenen Formaten auf.

Hintergrund

Sprachliche Kompetenzen entscheiden wesentlich über Bildungserfolg. Darüber besteht in der empirischen Bildungsforschung Einigkeit. Über die grundlegenden Zusammenhänge von individuellen, gesellschaftlichen und sozialen Faktoren und sprachlichen Kompetenzen liegen zahlreiche empirische Erkenntnisse vor. Viele sprachbezogene Themen und Fragestellungen wie etwa Mehrsprachigkeit, Lese- und Schreiberwerb oder der Einfluss digitaler Medien werden in der öffentlichen Diskussion sehr kontrovers diskutiert. Dabei finden sich auch Meinungen und Positionen, die den aktuellen Forschungsstand ungenau wiedergeben, ihn falsch interpretieren oder ganz ignorieren. Dadurch können Mythen und Vorurteile entstehen. Ein Grund hierfür ist, dass wissenschaftliches Wissen über viele Studien und unterschiedliche Disziplinen verstreut vorliegt. Die Befunde werden bisher kaum systematisch zusammengetragen, transparent bewertet und neu kombiniert. Des Weiteren werden wissenschaftliche Erkenntnisse bislang nur selten für unterschiedliche Adressaten in der Bildungspraxis, -politik und -verwaltung aufbereitet. Andere Disziplinen, etwa die Medizin, bemühen sich hierum schon länger.

Ziele

Zentrales Anliegen des Angebots Wissen! Was wirkt? ist es, eine Brücke zwischen Forschung, Politik und Praxis im Bereich sprachliche Bildung zu schlagen. Das Mercator-Institut trägt vorhandenes Wissen über die Wirksamkeit von z. B. didaktisch-methodischen Konzepten, Diagnose- und Fördermaßnahmen oder schulorganisatorischen Modellen im Bereich sprachliche Bildung zusammen. Dieses Wissen wird nach festgelegten Gütekriterien bewertet und neu kombiniert (Wissenssynthese). Zudem bereitet das Mercator-Institut die daraus gezogenen Schlussfolgerungen zielgruppenspezifisch in verschiedenen Formaten für Medien, Bildungspolitik und -verwaltung sowie Bildungspraxis auf.

Evidenzbasierte Arbeitsweise

Um das am besten verfügbare Wissen zu sprachlicher Bildung bereitzustellen, folgt das Mercator-Institut bei der Erfassung, Dokumentation und Bewertung von Forschungsergebnissen der gängigen evidenzbasierten Praxis (vgl. Dawes et al. 2005) und nutzt hierfür unterschiedliche Methoden der Wissenssynthese (s. Beschreibungen unten auf dieser Seite). Die Auswahl der Methode sowie die Standards und Kriterien werden für den jeweiligen Einsatz bei der Erstellung eines Formats konkret beschrieben. Durch die Anwendung verschiedener Methoden schafft das Mercator-Institut eine multiple Evidenzbasis. Darüber hinaus dienen aufgedeckte Wissenslücken dazu, Forschungsprojekte zu initiieren.

Formate: Basiswissen, Faktenchecks, Expertisen

Mit dem Angebot Wissen! Was wirkt? und seinen verschiedenen Formaten erleichtert das Mercator-Institut Bildungsakteuren den Zugang zu aktuellen Themen, Konzepten und Forschungsergebnissen. Im Format Basiswissen sprachliche Bildung werden zentrale Begriffe und Konzepte sprachlicher Bildung knapp und verständlich aufbereitet. Faktenchecks geben Antwort auf häufig gestellte Fragen zu bisweilen auch kontroversen Themen und klären so über Mythen, Vorurteile und Ungenauigkeiten auf der Grundlage verlässlicher Zahlen und Fakten auf. Im Format Expertise werden künftig evidenzbasierte Schlussfolgerungen sowie Handlungsempfehlungen für Bildungsszenarien erarbeitet, die zu einer Verbesserung der Praxis sprachlicher Bildung beitragen können. Hier hat das Mercator-Institut in der Vergangenheit bereits Expertisen vorgelegt, u. a. eine Bestandsaufnahme zur schulischen Integration neu zugewanderter Kinder und Jugendlicher oder zur Verankerung von Deutsch als Zweitsprache in der Ausbildung von Lehrkräften.

Literatur: Dawes, Martin, William Summerskill, Paul Glasziou, Antonino Cartabellotta, Janet Martin, Kevork Hopayian, Franz Porzsolt, Amanda Burls & James Osborne (2005). Sicily statement on evidence-based practice. BMC Medical Education 5. 1. DOI

Team

Auf einen Blick: Basiswissen sprachliche Bildung

Zielgruppen

Bildungsverwaltung, Lehrkräfte in der Praxis, Lehramtsstudierende, pädagogische Fachkräfte im Elementarbereich, Zivilgesellschaft, Medien

Ziele

Zugang zu einem Thema erleichtern, Einführung in ein Thema geben

Leitfragen

Was ist ...? Wie funktioniert ...?

Mögliche Methoden

Nicht-systematischer Literaturüberblick

Expertenkonsultation

Auf einen Blick: Faktencheck

Zielgruppen

Medien, Bildungspolitik und -verwaltung, Zivilgesellschaft

Ziele

Verlässliche Informationen (Zahlen, Fakten) bereitstellen; Mythen, Vorurteile und Ungenauigkeiten aufklären

Leitfragen

Stimmt es, dass…? Gibt es konkrete Beispiele/Informationen zu…?

Mögliche Methoden

Nicht-systematischer Literaturüberblick

Expertenkonsultation

Studienüberprüfung/-bewertung

Auf einen Blick: Expertise

Zielgruppe

Bildungsverwaltung, (Lehreraus- und fortbildner sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren), wissenschaftliche Community

Ziele

Systematische Ermittlung und Bewertung von Wissen hinsichtlich dessen Wirksamkeit/Qualität; evidenzbasierte Handlungsempfehlungen

Leitfragen

Was weiß man (noch nicht) über ...? Wie wird ... bewertet? Wie wirksam ist ...?

Mögliche Methoden

Systematische Bestandsaufnahme

Systematische Überblicksarbeit

Studienüberprüfung/-bewertung

Expertenkonsultation

Informationen zu den möglichen Methoden

Nicht-systematischer Literaturüberblick

In einem nicht-systematischen Literaturüberblick wird der aktuelle Forschungsstand zu einem bestimmten Thema durch strukturierte Abfragen, jedoch ohne standardisierte und systematische Vorgehensweisen erfasst und bezieht in der Regel wissenschaftliche und sogenannte graue Literatur ein.

Vorgehensweise

Der aktuelle Forschungsstand wird mittels strukturierter Abfragen in allgemeinen und themenspezifischen Datenbanken, per Handsuche und Schneeball-Prinzip ermittelt. Im Unterschied zu einer systematischen Bestandsaufnahme oder systematischen Überblicksarbeit erfolgt die Suchabfrage ohne standardisierte Vorgehensweise, d. h. Suchstrategie und Auswahlkriterien werden nicht vorab festgelegt und die Schritte nicht dokumentiert und offengelegt.

Anwendung

Mit Ausnahme von systematischen Bestandsaufnahmen, Übersichtsarbeiten oder Meta-Analysen ist der strukturierte, aber nicht-systematische Literaturüberblick die überwiegend verwendete Methode bei wissenschaftlichen Studien (Monographien, Sammelbände, Handbuch- und Zeitschriftenartikel).

Weiterführende Informationen

Dicks, Lynn et al. (2017): Knowledge synthesis for environmental decisions: an evaluation of existing methods, and guidance for their selection, use and development: Non-systematic literature review

Expertenkonsultation

In Expertenbefragungen werden Bewertungen, Stellungnahmen und Einschätzungen von ausgewiesenen Expertinnen und Experten eines bestimmten Themenbereichs systematisch eingeholt.

Vorgehensweise

Die Einzel- oder in Gruppenbefragungen erfolgen nach einem systematischen Vorgehen, d. h. die Auswahl der Expertinnen und Experten sowie die eingesetzte Methode folgt einem zuvor festgelegten Ziel bzw. der Beantwortung einer konkreten Fragestellung. Die Befragung erfolgt persönlich oder online, mündlich oder schriftlich. Die Auswertung des schriftlich (z. B. über Protokolle oder transkribierte Audioaufnahmen) festgehaltenen Wissens erfolgt nach qualitativen, inhaltsanalytischen Methoden.

Anwendung

Expertenkonsultationen eignen sich als zusätzliche Methoden der Wissenssynthese, z. B. um durch Bewertungen, Stellungnahmen und Einschätzungen bei fehlender Qualität in einem bestimmten Bereich Wissen zu ergänzen.

Weiterführende Informationen

Dicks, Lynn et al. (2017): Knowledge synthesis for environmental decisions: an evaluation of existing methods, and guidance for their selection, use and development: Expert consultation

Studienüberprüfung/-bewertung

In Studienüberprüfungen/-bewertungen erfolgt eine, häufig im peer-Verfahren durchgeführte Bewertung von empirischen Studien nach standardisierten (Qualitäts-)Kriterien und -katalogen.

Vorgehensweise

Abhängig von der Art (z. B. Meta-Analyse, systematic review, (quasi)-experimentelle Studie, qualitative Studie) werden mittels eines Protokolls bzw. eines Kodierschemas die wichtigsten Qualitätsmerkmale von empirischen Studien erfasst und anschließend zusammenfassend bewertet. Die Einstufung der Qualität erfolgt z. B. auf einer (prozentualen) Skala oder mittels eines mehrgliedrigen Kategoriensystems.

Anwendung

Studienüberprüfungen/-bewertungen dienen dazu, wesentliche Inhalte und Ergebnisse empirischer Studien nach objektiven und standardisierten Kriterien kritisch zu bewerten. Sie dienen somit als Bewertungs- und Einschlusskriterium für die Wissenssynthese in systematischen Überblicksarbeiten sowie – in komprimierter und zielgruppenadäquater Aufbereitung – einer Zielleserschaft mit keinen oder geringen Vorkenntnissen.

Weiterführende Informationen

What Works Clearinghouse (2017): Procedure Handbook Version 4.0 (S. 9‑11).

Systematische Bestandsaufnahme

In einer systematischen Bestandsaufnahme wird fragengeleitet der aktuelle Forschungsstand zu einem bestimmten Themenbereich mittels einer standardisierten und systematischen Suchstrategie erfasst und bezieht sich in der Regel auf wissenschaftliche und graue Literatur.

Vorgehensweise

Nach der Formulierung einer suchtauglichen Fragestellung folgen strukturierte Abfragen in allgemeinen und themenspezifischen Datenbanken, per Handsuche und Schneeball-Prinzip sowie unter Berücksichtigung grauer Literatur. Das durch diese breit angelegte Suchstrategie ermittelte Wissen wird anschließend in einem mehrstufigen Auswahlprozess hinsichtlich der thematischen Passung gefiltert. Die Suchstrategie und Auswahlkriterien werden vorab festgelegt und die Schritte sowie Ergebnisse in einem Protokoll dokumentiert und offengelegt. Das Protokoll wird einem peer review unterzogen.

Anwendung

Systematische Bestandsaufnahmen ermöglichen es, Wissen zu einem breiteren Thema systematisch und transparent zusammenzutragen und zu beschreiben sowie eine Übersicht über vorhandenes und nicht-vorhandenes Wissen zu geben. Somit lassen sich verlässlich Bereiche identifizieren, in denen noch wenig oder überhaupt nicht geforscht wurde.

Der Umfang und das Verzerrungspotential einer systematischen Bestandsaufnahme sind abhängig von der Breite bzw. dem Umfang der Suchstrategie. In der Praxis sind zwei Varianten gebräuchlich: Es gibt einerseits Bestandsaufnahmen, die weniger Studien berücksichtigen und somit ein höheres Verzerrungspotential aufweisen. Sie sind weniger zeitaufwändig und können mit weniger Personal entstehen, sogenannte (quick) scoping reviews. Andererseits existieren Bestandsaufnahmen, die eine größere Anzahl an Studien berücksichtigen und somit ein niedrigeres Verzerrungspotential aufweisen. Sie sind zeitaufwändiger und/oder müssen mit mehr Personal erstellt werden, so genannte systematic maps.

Weiterführende Informationen

Dicks, Lynn et al. (2017): Knowledge synthesis for environmental decisions: an evaluation of existing methods, and guidance for their selection, use and development: Scoping review, Systematic map

Clapton, Janet; Rutter, Deborah & Sharif, Nadira (2009). SCIE Systematic mapping guidance. London: Social Care Institute for Excellence.

Systematische Überblicksarbeit

In einer systematischen Überblicksarbeit wird fragengeleitet das aussagekräftigste Wissen (in der Regel wissenschaftliche und graue Literatur) über einen bestimmten Themenbereich dargestellt. Das Wissen wird mittels einer standardisierten und systematischen Suchstrategie erfasst, nach festgelegten Auswahlkriterien gefiltert, nach strengen Beurteilungskriterien hinsichtlich der Qualität und empirischen Aussagekraft bewertet und anschließend neu kombiniert (Wissenssynthese).

Vorgehensweise

Analog zur systematischen Bestandsaufnahme erfolgen nach der Formulierung einer suchtauglichen Fragestellung (z. B. über das PICOS-Schema) strukturierte Abfragen in allgemeinen und themenspezifischen Datenbanken, per Handsuche und Schneeball-Prinzip sowie unter Berücksichtigung grauer Literatur. Das durch diese breit angelegte Suchstrategie ermittelte Wissen durchläuft einen mehrstufigen Auswahlprozess. Dabei werden sowohl die thematische Passung als auch die Qualität mittels eines festgelegten Beurteilungsrasters überprüft und entsprechend gefiltert. Das verbleibende Wissen bildet die Grundlage der Wissenssynthese. Die Suchstrategie, die Auswahl- und Beurteilungskriterien, die Schritte sowie die Ergebnisse werden in einem Protokoll dokumentiert und offengelegt. Das Protokoll wird einem peer review unterzogen.

Anwendung

Systematische Überblicksarbeiten ermöglichen es, Wissen zu einem breiteren Thema systematisch und transparent zusammenzutragen und zu beschreiben. Sie geben eine Übersicht über vorhandenes und nicht-vorhandenes Wissen und berücksichtigen auch weniger beachtete bzw. zugängliche Studien und Forschungsergebnisse. Zusätzlich können auf der Grundlage existierenden Wissens neue und vor allem objektive Aussagen getroffen werden, da die Methode die Beeinflussung der Auswahl und Bewertung der Studien durch persönliche Bezüge ausschließt. Darüber hinaus bilden systematische Überblicksarbeiten die Grundlage zur Erstellung von Meta-Analysen.

Der Umfang und das Verzerrungspotential einer systematischen Überblicksarbeit ist abhängig von der Breite bzw. dem Umfang der Suchstrategie und ggf. der dadurch variierenden Anzahl der zu bewertenden Studien. In der Praxis sind zwei Varianten gebräuchlich: Es gibt einerseits Überblicksarbeiten, die weniger Studien berücksichtigen und somit ein höheres Verzerrungspotential aufweisen. Sie sind weniger zeitaufwändig und können mit weniger Personal entstehen (z.B. rapid evidence assessments). Andererseits existieren Überblicksarbeiten, die eine größere Anzahl an Studien berücksichtigen und somit ein niedrigeres Verzerrungspotential aufweisen. Sie sind jedoch zeitaufwändiger und/oder müssen mit mehr Personal produziert werden (systematic reviews).

Weiterführende Informationen

Dicks, Lynn et al. (2017): Knowledge synthesis for environmental decisions: an evaluation of existing methods, and guidance for their selection, use and development: Systematic Review, Rapid Evidence Assessment; Campbell Collaboration Guideline

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