14.05.2018
Bericht

Zwischen Referenzrahmen und Profilanalyse – Wie kann ein integriertes Instrument zur Diagnose sprachlicher Kompetenzen neuzugewanderter Schülerinnen und Schüler aussehen?

Voraussetzung für eine gezielte Sprachförderung ist die Befähigung der Lehrkräfte zur Diagnose sowie das Vorhandensein geeigneter Diagnoseinstrumente. Dabei helfen informelle Verfahren, wie sie tagtäglich bei der Beobachtung und Bewertung von Schülerleistungen eingesetzt werden. Diese sollten jedoch durch standardisierte Diagnoseinstrumente ergänzt werden, um blinde Flecken und Fehleinschätzungen gegebenenfalls korrigieren zu können.

Diagnostik als Grundlage von Sprachförderung ist eine Forderung aus der Wissenschaft sowie der Bildungspolitik und -verwaltung, die in der Praxis häufig nicht umgesetzt wird, da geeignete Instrumente fehlen. Im Workshop wurden insbesondere die Profilanalyse nach Grießhaber und der Gemeinsame europäische Referenzrahmen (GER) näher beleuchtet. Dabei wurde deutlich, dass diese etablierten Instrumente durchaus kritisch zu sehen sind.

So sind bspw. die Stufen des GER nicht trennscharf und nicht zwangsläufig auf die Schulpraxis anwendbar. Trotzdem wird er in einigen Bundesländern bereits als verpflichtend für die Schulen kommuniziert. Die Profilanalyse hat sich in einer Evaluation des BiSS-EOS-Projekts zur „Förderung der Bildungssprache Deutsch in der Primarstufe: Evaluation, Optimierung und Standardisierung“ als problematisch erwiesen, da die Sprachproduktion der Schülerinnen und Schüler stark vom Impuls (Bild oder Bildergeschichte) abhängig war.

Im Workshop wurde deutlich, dass sprachdiagnostische Instrumente entwickelt werden müssen, die in der Praxis eingesetzt werden können. Relevant dafür ist in erster Linie das diagnostische Ziel, das erreicht werden soll und die Berücksichtigung der mehrsprachigen Lebenswelt im Instrument. Die Implementation des Instruments in die Schulpraxis gilt als notwendiger Schlüssel für eine erfolgreiche Nutzung in der Praxis. Die Zeitökonomie und die Kopplung mit Förderangeboten sind weitere relevante Aspekte.

Zum Weiterlesen

Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen: lernen, lehren, beurteilen (Online-Dokument auf den Seiten des Goethe-Instituts)
Übungsmaterial für den Deutsch-Test für Zuwanderer A2/B1
Beck, Luna; von Dewitz, Nora; Titz, Cora (2015). Sprachliche Entwicklungsstände, Lernpotenziale und Lernfortschritt erkennen. BiSS-Journal (2), S. 3–10.
Gräsel, Cornelia; Parchmann, Ilka (2004): Implementationsforschung – oder: der steinige Weg, Unterricht zu verändern. Unterrichtswissenschaft, 32, 196-214.
Grießhaber, Wilhelm (2013). Die Profilanalyse für Deutsch als Diagnoseinstrument zur Sprachförderung. Stiftung Mercator, Universität Duisburg-Essen.
Heilmann, Beatrix & Grießhaber, Wilhelm (Hrsg.). (2012). Diagnostik & Förderung – leicht gemacht (Deutsch als Zweitsprache. Ein Praxishandbuch). Stuttgart: Klett Sprachen.
Lengyel, Dorit (2012). Sprachstandsfeststellung bei mehrsprachigen Kindern im Elementarbereich. München: Deutsches Jugendinstitut e.V.
Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache (Hrsg.) (2013). Qualitätsmerkmale für Sprachstandsverfahren im Elementarbereich. Ein Bewertungsrahmen für fundierte Sprachdiagnostik in der Kita. Köln.
Redder, A. et. al. (2011). Bilanz und Konzeptualisieren v. strukturierter Forschung zu „Sprachdiagnostik und Sprachförderung“. Hrsg. v. Hamburger Zentrum zur Unterstützung der wissenschaftlichen Begleitung und Erforschung schulischer Entwicklungsprozesse
Schneider, Wolfgang et. al. (2012). Expertise „Bildung durch Sprache und Schrift“. Bund-Länder-Initiative zur Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung
Wagner, C. R.; Nettelbladt, U.; Sahle, B., Nilholm, C. (2000). Conversation versus narration in pre-school children with language impairment. International Journal of Language & Communication Disorders, 35 (1), 83-93.
Westerveld, Marleen F.; Gillon, Gail T.; Miller, Jon F. (2004): Spoken language samples of New Zealand children in conversation and narration. Advances in Speech Language Pathology, 6 (4), 195-208.

Dokumentation der Jahrestagung 2018