26.07.2018
Basiswissen

Schreibdidaktik

Dieses Basiswissen erklärt kurz und knapp den Begriff Schreibdidaktik und gibt Hinweise, wie man Schülerinnen und Schüler beim Schreiben flüssiger und verständlicher Texte unterstützen kann.

Definition

Schreibdidaktik verfolgt das Ziel, Schreibkompetenz zu vermitteln und zu fördern – also die Fähigkeit von Schülerinnen und Schülern, adressatenorientierte, inhaltlich anspruchsvolle und verständliche Texte zu schreiben. Im Zusammenhang mit dem Begriff Schreibdidaktik werden oft auch die Begriffe Schreibförderung, Schreibunterricht, Aufsatzunterricht und Vermittlung von Schreibkompetenz verwendet. Allen Begriffen liegen ähnliche Konzept zugrunde. Im Gegensatz zur früheren Aufsatzdidaktik steht bei der Schreibdidaktik nicht mehr nur das fertige Textprodukt im Mittelpunkt. Zusätzlich wird der gesamte Schreibprozess der Schülerinnen und Schüler vom flüssigen Schreiben über das Planen, Verschriften und Überarbeiten in den Blick genommen. Daraus entstehen neue didaktische Möglichkeiten (Feilke 2017).

Flüssiges Schreiben fördern

Eine Grundvoraussetzung für das Schreiben eigener Texte ist flüssiges Schreiben. Darunter wird die Fertigkeit verstanden, Ideen flüssig zu versprachlichen und aufzuschreiben. Sie zählt zu den basalen, so genannten hierarchieniedrigen Fähigkeiten. Für ihre Förderung bieten sich beispielsweise motorische Schreibübungen, Grammatik-, Wortschatz- und Rechtschreibtrainings an.

Planen, Verschriften und Überarbeiten fördern

Neben der basalen Schreibflüssigkeit benötigen Schülerinnen und Schüler auch so genannte hierarchiehohe Fertigkeiten für das Planen, Verschriften und Überarbeiten eines Textes. Für ihre Förderung eignen sich die gezielte Vermittlung von Schreibstrategien, Textmusterwissen (z.B. Einleitung, Hauptteil, Schluss) sowie Methoden zur Textüberarbeitung.

Ein Trainingsschwerpunkt zur Förderung der Schreibkompetenz kann beispielsweise auf dem Kennenlernen und Einüben verschiedener Schreibstrategien liegen. Schreibstrategien bieten eine gute Möglichkeit, die einzelnen Phasen des Schreibprozesses bewusst zu machen. Gerade für unerfahrene Schreiberinnen und Schreiber ist es wichtig, (neue) Schreibstrategien anhand von Beispielen einzuführen. Das Vormachen und Erklären (auch Modeling genannt) zeigt den Schülerinnen und Schülern konkrete Handlungsmöglichkeiten zur Bewältigung bestimmter Teilprozesse auf (Sturm 2017), die sie später flexibel für unterschiedliche Schreibaufgaben einsetzen können.

Zunächst üben die Schülerinnen und Schüler Schreibstrategien in Partnerarbeit oder Kleingruppen ein. Diese Formen der kooperativen Textproduktion bieten den Vorteil, dass durch die Zusammenarbeit mit einer Partnerin oder einem Partner das eigene Vorgehen während des Schreibprozesses kleinschrittig diskutiert und reflektiert wird (Becker-Mrotzek/Böttcher 2011). Den Schülerinnen und Schülern wird so deutlich, wie man unterschiedliche Texte verfasst und die formale und sprachliche Form je nach Anforderung gestaltet.

Lernförderliche Schreibumgebung schaffen

Auch eine lernförderliche Schreibumgebung ist für die Schreibentwicklung von Bedeutung. Hierfür benötigen die Schülerinnen und Schüler gute Schreibaufgaben mit der Möglichkeit, konkrete Schreibanlässe aktiv zu bewältigen und zu reflektieren, zum Beispiel den Hergang eines Unfalls zu beschreiben (Jost 2017). Um ausreichend Schreibgelegenheiten zu schaffen, sollten möglichst alle sinnvollen Schreibanlässe aufgegriffen werden, nicht nur im Fach Deutsch, sondern auch in den Sachfächern, etwa Versuchsprotokolle im Chemieunterricht. Hier hilft das Schreiben zugleich, die Fachinhalte besser zu verarbeiten.

Rückmeldung zu Texten geben

Neue Textarten müssen so eingeführt werden, dass ihre jeweiligen Charakteristika gut erkennbar sind. Besonders lernförderlich sind die unterschiedlichen Formen der Rückmeldung zu den verfassten Texten (Becker-Mrotzek/Böttcher 2011); sei es durch Lehrkräfte, durch Mitschülerinnen und Mitschüler oder automatisiert mittels Computersoftware, die beispielsweise Rückmeldung zu grammatischen Phänomenen oder der Qualität von Zusammenfassungen geben kann.

Gezielte Schreibförderung über Klassenstufen und Fächergrenzen hinweg ist wichtig für eine chancengleiche Bildungsteilhabe, da die Komplexität der Schreibaufgaben mit jedem Schuljahr weiter zunimmt. Eine kontinuierliche Schreibförderung könnte den Schülerinnen und Schülern bei der Bewältigung der Aufgaben helfen, dennoch bleibt sie oft auf die Sekundarstufe I beschränkt.

 

Autorin

Sabine Hachmeister

Dieser Text darf, unter Einhaltung der gängigen Zitierregeln und mit Angabe der Quelle, gern weiterverwendet werden: Hachmeister, Sabine (2018). Schreibdidaktik. Köln: Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache (Basiswissen sprachliche Bildung).

Literatur

Becker-Mrotzek, Michael & Böttcher, Ingrid (2011). Schreibkompetenz entwickeln und beurteilen: Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II (3. Aufl.). Berlin: Cornelsen-Scriptor.

 

Feilke, Helmuth (2017). Schreibdidaktische Konzepte. In Becker-Mrotzek, Michael; Grabowski, Joachim & Steinhoff, Torsten (Hrsg.), Forschungshandbuch empirische Schreibdidaktik (S. 153–171). Münster: Waxmann.

 

Jost, Jörg (2017). Prinzipien & Methoden lernförderlicher Schreibumgebungen. In Becker-Mrotzek, Michael; Grabowski, Joachim & Steinhoff, Torsten (Hrsg.), Forschungshandbuch empirische Schreibdidaktik (S. 173–186). Münster: Waxmann.

 

Sturm, Afra (2017). Strategiefokussierte Intervention. In Becker-Mrotzek, Michael; Grabowski, Joachim & Steinhoff, Torsten (Hrsg.), Forschungshandbuch empirische Schreibdidaktik (S. 267–281). Münster: Waxmann.

Weiterführende Literatur / Informationen

Becker-Mrotzek, Michael & Grabowski, Joachim (in Vorbereitung). Schreibkompetenz in der Sekundarstufe: Theorie, Diagnose und Förderung. Münster: Waxmann.

Bereits erschienen: Basiswissen sprachliche Bildung