02.08.2019
Bericht

Professionalisierung in der frühen sprachlichen Bildung

Die Professionalisierung von pädagogischen Fachkräften ist ausschlaggebend für die Begleitung der sprachlichen Bildung von Kindern in Bildungseinrichtungen und prägend für den weiteren Bildungsweg und -erfolg der Kinder. Diese Begleitung kann allerdings nur mithilfe guter Grundlagen an Fachwissen und Methoden der sprachlichen Bildung gelingen, die die Fachkräfte benötigen, um den diesbezüglich wachsenden Herausforderungen gerecht zu werden.

Ziel des Fachgesprächs war es, einen Austausch zwischen Perspektiven und Erfahrungen aus Wissenschaft, frühpädagogischer Praxis und Bildungsverwaltung zu ermöglichen und kritische bzw. gelungene Momente dieser Thematik herauszuarbeiten und zu diskutieren.

Mit Blick auf das heterogene Fortbildungsangebot im Bereich der frühen sprachlichen Bildung ist die zentrale Frage, welche Methoden der Professionalisierung bereits existieren und welche Konzepte Hinweise auf Wirksamkeit zeigen. In drei Impulsvorträgen wurde das Themengebiet aus unterschiedlichen Perspektiven der Wissenschaft beleuchtet.

Es ging insbesondere um die Fragen, wodurch sich ein wirksames Fortbildungsformat auszeichnet und ob der Fokus der Fortbildung auf der Vermittlung von Fachwissen, einer sprachsensiblen Haltung oder aber auf dem Handeln liegen sollte. Die Vermittlung von Fachwissen führt auf der einen Seite zu einem qualitativ besseren Sprachangebot, zu einer differenzierten diagnostischen Einschätzung der Kinder, zu angemessenen Erwartungen und einer sprachförderlichen Interaktion. Auf der anderen Seite ist Fachwissen nicht alles und auch andere Faktoren wie beispielsweise die Haltung der pädagogischen Fachkräfte kann einen großen Einfluss auf die Wirksamkeit der sprachlichen Bildung haben. Es zeigte sich auch, dass im Rahmen von Fortbildungen insbesondere der Fokus auf dem Handeln der Fachkräfte eine hohe Wirksamkeit für die sprachliche Bildung der Kinder gewährleisten kann.

Zudem zeichnen sich wirksame Fortbildungsformate durch abwechselnde Input-, Erprobungs- und Reflexionsphasen aus. In diesem Zusammenhang wurde das Coaching (Video-, Einzel- oder auch Gruppencoaching) als wichtiger Zusatzfaktor herausgestellt, der die Wirksamkeit der Fortbildung und die Erprobung und Reflexion gelernter Inhalte unterstützt. Außerdem ist es wichtig, authentische Lernsituationen, kooperatives Lernen und die Betrachtung verschiedener Perspektiven in die Fortbildung mit einzubeziehen. Es bietet sich an, die Inhalte der Fortbildung kleinschrittig aufzubereiten, um so den Aufwand der Fachkräfte zu verringern und ihre Motivation und ihren Lernfortschritt zu erhöhen. Die Erfahrung zeigt, dass Fachkräfte Gelerntes vor allem anwenden, wenn sie es für sich selbst als nützlich ansehen und sich als kompetent erleben. („Wenn ich das mache, gibt es Vorteile. Es lohnt sich! Mir und den Kindern macht es Spaß!“)

Aus der Forschungsperspektive ist weitere Implementations- und Transferforschung notwendig, um die Nachhaltigkeit von Professionalisierungsmaßnahmen zu bestimmen. Dabei sollte nicht nur die Seite der Fachkräfte, sondern auch die der Kinder einbezogen werden. Außerdem wissen wir noch zu wenig darüber, welche Kompetenzfacetten adressiert werden müssen, um die „Performance“ von pädagogischen Fachkräften zu verändern.

Im Rahmen der Diskussion wurde des Weiteren thematisiert, dass die Einschätzungen durch Kinderärztinnen und -ärzte bezüglich des Sprachstandes von Kindern oft mehr Gewicht haben als die Beurteilungen pädagogischer Fachkräfte – obwohl letztere oft viel mehr der Wirklichkeit entsprechen. Eine bessere Kooperation mit medizinisch-therapeutischem Personal ist daher wünschenswert. In der Diskussion wurde deutlich, dass beispielsweise sprachdiagnostisches Wissen wichtig ist, um strukturierte und testbasierte Einschätzungen bezüglich des Sprachstandes von Kindern zu geben. Auf dieser Grundlage werden Einschätzungen eher von medizinisch-therapeutischem Personal angenommen, als wenn „nur“ das Gefühl der pädagogischen Fachkraft geäußert wird.

Zum Weiterlesen

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Müller, A., Geyer, S., & Smits, K. (2015). Sprachförderung am Übergang Kindergarten und Grundschule: Gemeinsame Aufgabe – gemeinsame Qualifizierung?. Frühe Bildung, 4(1), 51-52.

Dokumentation der Jahrestagung 2019