14.05.2018
Bericht

Orthographie in hochheterogenen Lerngruppen vermitteln

Heterogenität von Lerngruppen im Hinblick auf die Fähigkeiten, Fertigkeiten und das Vorwissen stellte schon immer eine Bereicherung mit einem großen Potenzial zum Anknüpfen und Ausbauen dar. Der Unterricht mit neu zugewanderten Schülerinnen und Schülern zeichnet sich besonders durch eine solche Vielfalt im sprachlichen Bereich aus. Die Nutzung dieses Potenzials bedarf aber angemessener Ansätze, die flexibel sind und es ermöglichen, gezielt die einzelnen Lernenden zu fokussieren, den jeweiligen Lernstand zu ermitteln und individuelles Arbeiten zu erlauben. Dies gilt nicht nur für die Vermittlung mündlicher sondern auch der schriftsprachlichen Kompetenzen wie der Orthographie.

Im Rahmen des Workshops „Orthographie in hochheterogenen Lernguppen vermitteln“ stellte Prof. Dr. Anne Berkemeier von der Universität Münster ein Instrumentarium vor, das sich in einer mit mehreren gängigen Methoden der Orthographievermittlung kompatiblen Weise und Einbindung digitaler Hilfe dieser Aufgabe widmet.

Der Workshop machte die Teilnehmenden mit den Besonderheiten des Erwerbs der deutschen Orthographie und Grammatik auf mehreren Ebenen – Laute, Silben, Wörter, Phrasen und ganzer Sätze – vertraut. Anknüpfend an diese Punkte und durch sie strukturiert, wurde von den Teilnehmenden im Rahmen theoretischer und praktischer Phasen die Funktionsweise von Instrumenten wie der „Hörtabelle“, dem „Anybook Reader“ und dem Buch „Silbenklänge“ erschlossen.

Ein Spezifikum des Orthographieerwerbs in einer neuen Sprache besteht darin, dass die Lernenden, im Gegensatz zu geübten Sprecherinnen und Sprechern, die motivierenden sprachlichen Phänomene der jeweiligen Schreibungen – z.B. die Vokallänge im Zusammenhang mit dem „Dehnungs-h“ – zunächst wahrnehmen und begreifen müssen. Dabei ist es besonders hilfreich, wenn sie im individuellen Tempo, mit einer Vielzahl an Beispielen (die auch auditiv präsentiert und beliebig oft abrufbar sind) und zudem unter Berücksichtigung der bereits erworben Sprachen arbeiten können.

Diese Möglichkeiten bietet zum einen die von Anne Berkemeier und Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entwickelte Hörtabelle, die relevante Entsprechungen von Buchstaben und Lauten sowie ihre Artikulationsweise abbildet. Zur Tabelle gehören außerdem Overlays, die Kontraste zu zahlreichen Herkunftssprachen präsentieren, und der audiodigitale Stift, mit dem Laute und einige längere Beispiele angehört werden können. Ferner erlaubt das sich gerade im Erscheinen befindende, mit Bildern und Audiobeispielen versehene und mit Silbenketten arbeitende Buch „Silbenklänge“ eine weitere Anknüpfung an diese Vorgehensweise. Das Buch ist mit Beispielen für die besonderen Phänomene der Aussprache und Schreibung angereichert. Zum Instrumentarium gehören außerdem auf die jeweiligen Bereiche wie z.B. die Aussprache zugeschnittene kompakte Kompetenzermittlungsraster, mit denen Lernstand und -progression stets erfasst werden können. Die Instrumente lassen sich mit mehreren methodischen Ansätzen kombinieren und stellen die praktische Anwendung und Umsetzung der aktuellen, durch Forschung ermittelten, Grundlagen dar.