02.08.2019
Bericht

Möglichkeiten und Grenzen einer verzahnten Professionalisierung im Bereich sprachliche Bildung über alle Phasen der Lehrerbildung

Guter Unterricht beruht auf professionellen Kompetenzen von Lehrerinnen und Lehrern, deren Aneignung systematische und aufeinander aufbauende Lernangebote und -gelegenheiten in allen Phasen von Ausbildung und Berufspraxis erfordert.

Das Fachgespräch befasste sich vor diesem Hintergrund mit der zentralen Frage, wie die Professionalisierung für sprachliche Bildung über die Ausbildungsabschnitte hinweg miteinander verzahnt werden kann: Wie können (angehende) Lehrkräfte sich kumulativ und nachhaltig Kompetenzen aneignen, die es ihnen erlauben, Unterricht sprachsensibel zu gestalten, dabei die Mehrsprachigkeit der Lernenden einzubeziehen und passgenaue Konzepte durchgängiger Sprachbildung im Rahmen der Schulentwicklung voranzutreiben? Darüber hinaus standen u. a. der organisatorische Rahmen, geeignete Kommunikationsstrukturen sowie die Frage, wie man die relevanten Akteurinnen und Akteure für eine phasenübergreifende Ausbildung bzw. Kooperation gewinnen kann, im Zentrum des Interesses.

Sven Oleschko stellte zunächst das Projekt Sprachsensibles Unterrichten fördern (Laufzeit 2015-2019) vor, in dem verschiedene Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) in Nordrhein-Westfalen darin unterstützt wurden, Module für die Ausbildung von Referendarinnen und Referendaren hinsichtlich der Umsetzung eines durchgängigen sprachsensiblen Fachunterrichts zu entwickeln und zu erproben. Als besonders gewinnbringend erwies sich die Zusammenarbeit in phasenübergreifenden Ausbildungsteams, bestehend aus Lehramtsanwärterinnen und -anwärtern, Fach- bzw. Kernseminarleitungen und schulischen Ausbilderinnen und Ausbildern.

Beate Lütke, die die Evaluation des Projekts Sprachsensibles Unterrichten fördern leitet, stellte zentrale Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Begleitung vor. So betonten die Befragten beispielsweise, dass die Zusammenarbeit in diesen phasenübergreifenden Ausbildungsteams stets auf Augenhöhe stattgefunden habe; die Lehramtsanwärterinnen hoben zusätzlich die Besonderheit solch eines bewertungsfreien Raums hervor. Im zweiten Teil ihres Vortrags sprach Frau Lütke über die Fachgruppe Lehrkräftebildung am Zentrum für Sprachbildung (ZeS) in Berlin, ein mittlerweile regelmäßig tagendes Gremium mit Vertreterinnen und Vertretern aller drei Phasen der Lehrerbildung, das sich zum Ziel gesetzt hat, ein Rahmenkonzept für Sprachbildung zu entwickeln, das kohärent alle drei Phasen umfasst.

Mit dem Fachverbund sprachliche Bildung/Deutsch als Zweitsprache der Ausbildungsregion Köln präsentierte abschließend Christoph Gantefort ein ähnliches Gremium, dessen zentrales Ziel darin besteht, die Erprobung sprachlicher Bildung im Praxissemester zu ermöglichen. Durch die Zusammenarbeit von Akteurinnen und Akteuren aus Universität, Schule und den Zentren für schulpraktische Studien ergeben sich jedoch auch Wirkungen der Arbeit des Fachverbunds auf der Ebene der zweiten Ausbildungsphase. Es zeigt sich: Je häufiger sprachliche Bildung in Begleitveranstaltungen von Praxissemesterbeauftragten, Seminarausbildnerinnen und Seminarausbildern sowie Lehrenden im DaZ-Modul thematisiert wird, desto häufiger wird diese von den angehenden Lehrkräften erprobt.

Die anschließende Diskussion erbrachte u. a. die Erkenntnis, dass Begegnungen zwischen den Akteursgruppen notwendig und wichtig, aber nicht hinreichend sind, um einen kumulativen und nachhaltigen Aufbau von Sprachbildungskompetenzen zu garantieren. Dafür sind vielmehr echte Austauschprozesse notwendig, die sich an Fragestellungen aus der Praxis orientieren und direkt in die Praxis wirken. Strukturell, d. h. mit Unterstützung der Bildungspolitik, muss dafür Raum geschaffen werden – auch um die Frage zu klären, welche Fähigkeiten und welches Wissen (angehende) Lehrkräfte eigentlich benötigen, um die individuelle sprachliche Handlungskompetenz von Schülerinnen und Schülern erweitern zu können. Als wichtig wurde auch die Zusammenarbeit der Bundesländer, konkret Berlin und Nordrhein-Westfalen, erachtet, um im Hinblick auf eine verzahnte Aus- und Weiterbildung im Bereich sprachliche Bildung Synergieeffekte zu nutzen. Abschließend überdachten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Lehramtsausbildung hinsichtlich möglicher und notwendiger Veränderungen. Potentiale sahen sie insbesondere in der Einrichtung phasenübergreifender Ausbildungsteams, der Schaffung bewertungsfreier Räume (insbesondere für Lehramtsanwärter), im Abbau schulsystematischer Hürden sowie im Bewusstmachen und Verändern professionsbezogener Überzeugungen.