Bericht

Alphabetisierung und Zweitschrifterwerb in der Sekundarstufe I

Der Unterricht in Klassen mit neu zugewanderten Jugendlichen stellt aufgrund der Heterogenität der Schülerschaft hohe Anforderungen an die Lehrkräfte, denn neben dem Aspekt der Mehrsprachigkeit müssen hier eine Reihe weiterer Faktoren berücksichtigt werden: Alter, genderspezifische Aspekte, kultureller Hintergrund, unterschiedliche Erstsprachen und – ganz entscheidend – der Bildungsstand in Bezug auf Sprachkompetenz.

Vasili Bachtsevanidis (freier Mitarbeiter im Bereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache an verschiedenen Universitäten, Lehrbuchautor und Trainer für die Zusatzqualifizierung für Deutsch als Zweitsprache und Alphabetisierung in Integrationskursen) stellte in seinem Praxisworkshop anschaulich dar, wie unter diesen Bedingungen Zweitspracherwerb und Schriftspracherwerb koordiniert werden können.

Vorbereitungsklassen werden sowohl von Schülerinnen und Schülern besucht, die über hohe schriftsprachliche Kompetenzen in ihrer Erstsprache verfügen, als auch von solchen, die bislang noch gar nicht alphabetisiert wurden. Da Deutschkenntnisse bei den meisten Schülerinnen und Schülern zu Beginn des Schulbesuchs in Deutschland zunächst noch nicht vorhanden sind, fällt es oftmals schwer zu diagnostizieren, ob Alphabetisierungsbedarf besteht oder ob die Jugendlichen Zweitschriftlernerinnen und -lerner sind, die beispielsweise im Arabischen alphabetisiert wurden und sich nun im Rahmen des Zweitspracherwerbs lediglich ein weiteres Schriftsystem aneignen müssen.

Im Workshop vermittelte Vasili Bachtsevanidis einen Überblick über die gängigsten Methoden der Alphabetisierung in der Zweitsprache und erläuterte darüber hinaus die Bedeutung der Grammatik, der Phonetik und des Wortschatzes in diesem Zusammenhang. Anstöße für die Bewältigung unterrichtspraktischer Problemstellungen gab er in handlungsorientierter Form, indem er aktuelle, speziell für die Sekundarstufe I entwickelte Lehrwerke von den Teilnehmenden des Workshops hinsichtlich der Frage untersuchen ließ, für welche der genannten Zielgruppen sie aufgrund welcher Merkmale geeignet sind.

Dokumentation der Jahrestagung 2017

Informationen zu diesem Thema

Inklusion/Integration beim Mercator-Institut

Es gibt eine Vielzahl von Definitionen des Begriffs Inklusion. Ihnen allen gemeinsam ist die Heterogenität mit ihren unterschiedlichen Dimensionen als konstitutives Element von Bildungsprozessen. Damit geht in der Regel eine Wertschätzung heterogener Lernvoraussetzungen  als Ressource für die Einzelnen wie die Gruppe einher. Inklusion kann als Strategie verstanden werden, um mit Vielfalt (z. B. Gender, kulturellem und sozialem Hintergrund, Alter, körperlicher und geistiger Beeinträchtigung) sowie den Überschneidungen dieser Heterogenitätsdimensionen sensibel umzugehen. Damit wird das Ziel verfolgt, Barrieren und Ausgrenzungen zugunsten einer gesellschaftlichen Teilhabe aller Kinder und Jugendlicher abzubauen und vorzubeugen.

Inklusion bedeutet für das Bildungssystem, dass Fachlehrkräfte und Förderlehrkräfte die gemeinsame Verantwortung für alle Schülerinnen und Schüler übernehmen und Lern- und Bildungsprozesse gemeinsam gestalten. Der Unterricht soll so geplant und durchgeführt werden, dass alle Kinder und Jugendlichen entsprechend ihrer Voraussetzungen und Möglichkeiten gefördert werden. In den Projekten des Mercator-Instituts kommt der sprachlichen Heterogenität eine besondere Bedeutung zu: Wie können  Sprachförderung, Deutsch als Zweitsprache und Inklusion in der Lehrkräfteausbildung verknüpft werden? Wie kann eine gemeinsame Sensibilisierung erfolgen? Welche spezifischen Konzepte und Methoden braucht es für einzelne Dimensionen von Inklusion?

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