Sprache und Bildungssystem

Dr. Judith Butterworth

Persönliche Referentin des Direktors / Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Telefon: 49 (0) 221-470 5676

Judith Butterworth ist zurzeit in Elternzeit.

Judith Butterworth hat Deutsche Sprache und ältere deutsche Literatur, Neuere deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Bonn studiert. Anschließend war sie als Mitarbeiterin an zwei DFG-Projekten zur gesprochenen Sprache beteiligt: von 2008 bis 2012 am Verbund-Projekt „Sprachvariation in Norddeutschland“ an der Universität Potsdam und von 2013 bis 2016 am Projekt „Gesprochener Standard“ an der Universität Koblenz-Landau. Promoviert wurde sie durch eine Arbeit zur Redewiedergabe in der Interaktion. 2014 absolvierte sie das Weiterbildungsstudium „Deutsch als Zweit- und Fremdsprache“ an der Universität Bonn. Seit 2016 ist sie am Mercator-Institut persönliche Referentin von Michael Becker-Mrotzek.

Raum

3.29 (3. Etage, Triforum)

Akademischer und beruflicher Werdegang

Seit 2016
Referentin am Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache

2013-2016
Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Landau, DFG-Projekt „Gesprochener Standard. Linguistische Untersuchung zum gesprochenen Deutsch mit Blick auf die Sprachdidaktik“

2014
Weiterbildungsstudium „Deutsch als Zweit- und Fremdsprache“ an der Universität Bonn

2013
Promotion zum Thema „Redewiedergabeverfahren in der Interaktion“ an der Universität Potsdam

2008 – 2012
Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Potsdam, DFG-Projekt „Sprachvariation in Norddeutschland“

2000 - 2006
Studium der Deutschen Sprache und älteren deutschen Literatur, Neueren deutschen Literatur und Philosophie an der Universität Bonn (M.A.)

Forschung

DFG-Projekt „Sprachvariation in Norddeutschland“ (2008-2012)

Seit einigen Jahrzenten finden in allen Regionen Norddeutschlands grundlegende Sprachveränderungen statt. Der Gebrauch des Plattdeutschen geht stark zurück, während sich eine norddeutsch geprägte Alltagssprache mit regional unterschiedlichen Merkmalen verbreitet. Über den Verlauf und den aktuellen Stand dieser Entwicklung war bislang wenig bekannt. Ziel des Projekts „Sprachvariation in Norddeutschland“ (SiN) war eine umfassende Bestandsaufnahme zur heutigen Sprachwirklichkeit in diesem Raum zwischen dem Standarddeutschen und den niederdeutschen Basisdialekten inklusive der Dokumentation von Sprachperzeptionsdaten, also heute verbreiteter Meinungen, Einschätzungen und Ein­stellungen zum Sprachgebrauch. Hierfür wurde ein Korpus gesprochensprachlichen Datenmaterials aufgebaut, das Sprachgebrauchsdaten einerseits und Interviews und Testverfahren zu Sprachbiographien und Spracheinstellungen andererseits umfasst und qualitative und quantitative Analysen ermöglicht. Auf dieser Basis werden Verknüpfungen zwischen konkreter Sprachpraxis, Sprachperzeption, biographisch geprägter sprachbezogener Refle­xion und Vorstel­lungs- wie Einstellungsmustern sichtbar und mit objektsprachlichen Daten in Zusammenhang gebracht.

zur Projektbeschreibung

Dissertationsprojekt „Redewiedergabe in der Interaktion“ (Promotion 2013)

Redewiedergabeverfahren potenzieren das Moment der sozialen Positionierung in der Interaktion. Charaktere, die zum Beispiel in Erzählungen oder Argumentationen zu Wort kommen, werden als Protagonisten und Antagonisten, Täter und Opfer, angeberisch und zurückhaltend konstruiert. Das Bild, das sich Gesprächspartner voneinander machen, wird aber nicht nur durch solche Positionierungen innerhalb der erzählten Welt, sondern auch durch ihre aktuelle Performance als Interaktionsspartner geprägt. All diese Positionierungsaktivitäten stehen in Wechselbeziehung zueinander und können auch aufschlussreiche Spannungsverhältnisse aufweisen.
Ausgehend von einer formalen Beschreibung der verwendeten Mittel und deren korpusanalytischer Operationalisierung zeigen die interaktional-linguistische Sequenzanalysen narrativ-biographisch geprägter Gespräche unter jungen Erwachsenen, wie in der Interaktion soziale Wirklichkeit ko-konstruiert wird, indem konkret oder stereotyp ‚fremde‘ Kontexte aufgerufen und als Kontrastfolie für die eigene Identitätskonstruktion genutzt werden.

zur Projektbeschreibung

DFG-Projekt „Gesprochener Standard“ (2013-2016)

Während für das Geschriebene ein kodifizierter Standard schon lang etabliert ist, fehlt für die gesprochene Sprache ein äquivalenter Orientierungspunkt. Stattdessen dokumentiert sich in vielen Deutschlehrwerken eine latente Schriftorientierung, welche die empirischen und theoretischen Erkenntnisse der Gesprochenen-Sprache-Forschung und der Medialitätsforschung in den meisten Fällen noch nicht umgesetzt haben. Um diese Lücke zu schließen, wurde im Projekt aufgrund empirischer Daten aus formelleren Kommunika­tionssituationen - politischen Abendtalkshows sowie Unterrichtskommunikation - ein de facto-Gebrauchsstandard der mündlichen Interaktion empirisch rekonstruiert. Grammatische Analysen der auftretenden, typisch gesprochensprachlichen Konstruktionen einerseits und die gesprächsanalytische Untersuchung von funktionalem Code-Shifting und Korrekturverhalten andererseits bilden die komplementären, methodischen Pfeiler dieser Rekonstruktion. Die Ergebnisse dienen unter anderem als Basis für die Entwicklung von Unterrichtsmaterial zur gesprochenen Sprache für den muttersprachlichen und den zweit- und fremdsprachlichen Deutschunterricht.

zur Projektbeschreibung

Lehre

Transkription und Analyse gesprochener Sprache (Universität Koblenz-Landau)

Geschichte der deutschen Sprache (Universität Potsdam)

Publikationen

Schneider, J., Butterworth, J./ Hahn, N. (2018): Gesprochener Standard in syntaktischer Perspektive. Theoretische Grundlagen – Empirie – didaktische Konsequenzen. Stauffenburg.

Schneider, J. / Butterworth, J./ Hahn, N. (2018): Gesprochener Standard, da gibt es viel zu zu sagen. In: Albert, Georg und Sabine Diao-Klaeger (Hrsg.): Mündlicher Sprachgebrauch zwischen Normorientierung und pragmatischen Spielräumen. Tübingen: Stauffenburg.

Becker-Mrotzek, M./ Butterworth, J. (2018): Qualitätsbestimmende Faktoren bei der Implementierung von (Sprach-)Förderkonzepten. In: Hasselhorn, Marcus et al. (Hrsg.): Bildung durch Sprache und Schrift. Band 2: BiSS-Basics: Umsetzung und Überprüfung von Konzepten zur Förderung von Sprache und Schriftsprache. 46-64.

Butterworth, J. (2015): Redewiedergabeverfahren in der Interaktion. Individuelle Variation bei der Verwendung einer kommunikativen Ressource. Heidelberg: Winter. (= Reihe Sprache – Literatur und Geschichte. Studien zur Linguistik/Germanistik, Band 47).

Butterworth, J. / Gessinger, J. (2015): Salienz als dynamisches interaktionales Konstrukt – Theoretische und methodische Aspekte. In: Elmentaler, Hundt et. al.. Deutsche Dialekte. Konzepte, Probleme, Handlungsfelder. Akten des 4. Kongresses der Internationalen Gesellschaft für Dialektologie des Deutschen (IGDD). Stuttgart: Steiner (= Beiheft der ZDL).

Butterworth, J. / Glawe, M. (2011):  „Wir sprechen hier an und für sich reinrassiges Hochdeutsch“ – Zur Erforschung der subjektiven Seite von Sprachverwendung. In: Ganswindt, Brigitte / Purschke, Christoph (Hgg.). Perspektiven der Variationslinguistik. Beiträge aus dem Forum Sprachvariation. Hildesheim u. a.: Olms, 371-391. (= Germanistische Linguistik 216-217).

Vorträge

03/2016 „Zum Verhältnis von ‚Operator-Skopus-Strukturen‘ und Diskursmarker-Konstruktionen“, gemeinsamer Vortrag mit Jan Georg Schneider und Nadine Hahn im Rahmen der 19. Arbeitstagung zur Gesprächsforschung in Mannheim

09/2015 „Redewiedergabeverfahren in der Interaktion“, Posterpräsentation im Rahmen der Sektionentagung der Gesellschaft für angewandte Linguistik in Frankfurt/ Oder

12/2013 „Das Projekt ‚Gesprochener Standard‘“, Vortrag im Rahmen der Tagung „Gesprochene-Sprache-Forschung und Sprachdidaktik“ an der Universität Landau

02/2013 „Redewiedergabeverfahren in der Interaktion", Vortrag im Rahmen des Workshops zur linguistischen Kommunikationsforschung an der Universität Potsdam

07/2012 „Gestaltungsvarianten von Redewiedergabesequenzen im Gespräch“, Vortrag im Rahmen des Nachwuchs-Netzwerks Gesprächsforschung an der Universität Bern

03/2012 „Dialoginszenierung in Alltagsgesprächen“, Vortrag im Rahmen des Lehrstuhlkolloquiums "Sprachvariation – synchrone & diachrone Perspektiven" an der Universität Münster

02/2012 „Prosodisch-stimmliche Verfahren bei der Redewiedergabe“, Vortrag im Rahmen des Kolloquiums zur linguistischen Kommunikationsforschung an der Universität Potsdam

01/2012 „Prosodisch-stimmliche Verfahren bei der Redewiedergabe“, Vortrag im Rahmen des Forschungskolloquiums „Migration und Minderheiten“ an der Universität Frankfurt/Oder

01/2012 „Sprachvariation in Norddeutschland“, gemeinsamer Gastvortrag mit Mark Hillebrand im Rahmen des sprachwissenschaftlichen Seminars von Horst Simon, Freie Universität Berlin

08/2010 „Sprachwahrnehmungs- und Spracheinstellungsdaten“, Vortrag im Rahmen der 3. Tagung des Forums Sprachvariation an der Universität Erlangen

09/2010 „Redewiedergabestile in der deutschen Alltagssprache“, Vortrag im Rahmen des Workshops „Sprache und Individuum“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

09/2009 „Gebrochene Identifikation mit der eigenen Alltagssprache? Parallelen und Gegensätze zwischen Brandenburg und Westfalen“, gemeinsamer Vortrag mit Meike Glawe im Rahmen des 3. Kongresses der IGDD an der Universität Zürich

05/2009 „Redewiedergabemuster in der deutschen Alltagssprache“, Vortrag im Rahmen der Vorlesungsreihe „Varianz und Invarianz“ an der Universität Potsdam