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16. März 2022Aktuelles

Sprachliche Bildung in der Corona-Pandemie

Welche Herausforderungen haben Lehrkräfte durch den Distanz- und Wechselunterricht während der Corona-Pandemie im Kontext sprachlicher Bildung wahrgenommen? Inwiefern fanden aus Sicht der Lehrkräfte während der Pandemie bildungsbezogene Benachteiligungen für Schülerinnen und Schüler im Erwerb von Deutsch als Zweitsprache statt? Und wo sehen sie Potenziale für einen digitalgestützten sprachsensiblen (Fach-)Unterricht?

Diesen und weiteren Fragen sind Forschende am Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache im Projekt Sprachliche Bildung in der Corona-Pandemie: Perspektiven von Lehrkräften auf neue Herausforderungen und Chancen nachgegangen. Ziel des Projekts ist es, mithilfe leitfadengestützter Interviews die Herausforderungen und Potenziale sprachlicher Bildung während der Ad-hoc-Umstellungen von Lehr-Lern-Settings in der Corona-Pandemie 2020 und 2021 aus der Perspektive von Lehrkräften herauszustellen. Die ersten Ergebnisse liegen nun vor.

Sie weisen darauf hin, dass Lernende, denen aufgrund sprachlicher Voraussetzungen eine Benachteiligung zugesprochen wird, durch die Unterrichtsumstellung weiterhin und oft verstärkt benachteiligt wurden. Die Forschenden gehen davon aus, dass sich bestehende Ungleichheiten verstärkt haben könnten. Dies sei unter anderem auf eine mangelnde technische Ausstattung, geringe Medienkompetenz in der Familie, sprachliche Kommunikationshürden oder dem Besuch der Notbetreuung zurückzuführen, wodurch sie nicht im vollen Umfang am Unterricht teilnehmen konnten. Gleichzeitig wurden ihnen fachlich und sprachlich weniger anspruchsvolle Unterrichts- und Materialangebote bereitgestellt.

Für einen gelungenen digitalgestützten Unterricht nennen die Lehrkräfte sprachsensibel aufbereitete Materialien wie Erklärvideos, Apps zur Arbeitsblättergestaltung und Lernapps zur Sprachförderung. Insgesamt scheint es zu wenig passende didaktische Materialien zu geben, sodass es einer Anpassung für eine sprachsensible Gestaltung bedarf, was sich im Unterrichtssetting auf Distanz intensiviert habe. Aus den Befunden leiten die Forschenden ab, dass die Fortsetzung oder Etablierung eines fächerübergreifenden Austauschs, eine sprachsensible Weiterentwicklung von Lern-Apps sowie Aus- und Fortbildungsangebote, die gezielt sprachdidaktische und digitalisierungsbezogene Lehrkompetenzen miteinander verknüpfen, wegweisend für einen sprachsensiblen Unterricht sind.


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