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07. Oktober 2020Aktuelles

Kommission zur Verbesserung der Schulqualität in Berlin übergibt Abschlussbericht

Heute stellt die Expertenkommission zur Schulqualität in Berlin, der auch Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek, Direktor des Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache, angehört, ihre Ergebnisse vor. Ziel der Kommission war es, wissenschaftliche fundierte Empfehlungen zu geben, wie die Qualität von Bildung und Unterricht in Berlin gesteigert werden kann. Im Fokus stand dabei, wie sich sprachliche und mathematische Kompetenzen im Unterricht in der Grundschule und den Sekundarstufen fördern lassen.

Ausgangspunkt waren unter anderem Studien, die gezeigt haben, dass beispielsweise ein Viertel bzw. Fünftel der Viertklässlerinnen und Viertklässler den Mindeststandard in Mathematik und im Lesen verfehlen und der Anteil der sehr schwach lesenden Schülerinnen und Schüler in Berlin sehr hoch ist.

Für diesen Bereich empfiehlt die Kommission in ihrem 101-seitigen Bericht unter anderem

  • eine Gesamtstrategie auf Steuerungsebene mit dem Ziel zu etablieren, den Anteil der Schülerinnen und Schüler, die sprachliche und mathematische Mindeststandards nicht erreichen, um mindestens fünf Prozentpunkte in den kommenden fünf Jahren zu reduzieren
  • forschungsbasierte Förderkonzepte für sprachliche und mathematische Kompetenzen (z. B. Lese- und Schreibflüssigkeit, mathematische Verstehensgrundlagen) verpflichtend einzuführen und
  • Schülerinnen und Schüler, bei denen entsprechender Bedarf diagnostiziert wurde, verpflichtend zu fördern.

„Sprachliche Kompetenzen sind unverzichtbar, um erfolgreich zu lernen. Deswegen müssen Lehrkräfte lese- und schreibschwache Schülerinnen und Schüler unbedingt fördern. Damit die Leistungen der Schülerinnen und Schüler besser werden, muss sich die Unterrichtqualität steigern – das ist die zentrale Botschaft unserer Empfehlungen. Hierzu kann die Forschung einen Beitrag leisten: Sie liefert beispielsweise zahlreiche Erkenntnisse und Methoden, wie sich das Lesen und Schreiben wirksam im Unterricht fördern lässt. Wichtig ist, dass Lehrkräfte die vorhandenen Konzepte zur Lese- und Schreibflüssigkeit und zu Lese- und Schreibstrategien in den Schulen auch verpflichtend nutzen. Dafür gilt es, Lehrkräfte im Bereich der sprachlichen Bildung gezielt und bedarfsgerecht aus- und fortzubilden. Schulen, die mit vielen förderbedürftigen Schülerinnen und Schülern am stärksten betroffen sind, müssen mehr Unterstützung bekommen als andere. Mit dem Bericht gibt es eine ganze Reihe konkreter Empfehlungen, wie sich die Qualität von Bildung und Unterricht verbessern lässt und sich sprachliche Kompetenzen fördern lassen.“

Die Senatorin für Bildung, Jugend und Familie des Landes Berlin, Sandra Scheeres, hatte die Kommission Anfang September 2019 einberufen. Geleitet wurde das Expertengremium von Prof. Dr. Olaf Köller (IPN – Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik, Kiel). Neben Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek gehören ihm Prof. Dr. Yvonne Anders (Universität Bamberg, Lehrstuhl für Frühkindliche Bildung und Erziehung), Prof. Dr. Rahel Dreyer (Alice Salomon Hochschule Berlin, Pädagogik und Entwicklungspsychologie der ersten Lebensjahre, von Oktober 2019 bis Dezember 2019), Prof. Dr. Kai Maaz (DIPF – Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, Frankfurt), Prof. Dr. Susanne Prediger (Technische Universität Dortmund, Institut für Erforschung und Entwicklung des Mathematikunterrichts, Fakultät für Mathematik) und Prof. Dr. Felicitas Thiel (Freie Universität Berlin, Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie) an. Staatsrat a. D. Dr. Michael Voges, Berlin, ist beratendes Mitglied und Moderator.

Die Kommission bestand neben der wissenschaftlichen Expertenkommission aus einer Praxiskommission, in der relevante Akteure im Bildungsbereich sowie Praktikerinnen und Praktiker aus Kindertagesstätten, Schulen, Instituten und Bildungsverwaltung vertreten waren. Sie hat der Expertenkommission regelmäßig Rückmeldungen gegeben.


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