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20. November 2018Pressemitteilungen

„Neu zugewanderte Schüler auch in der Regelklasse intensiv begleiten“

Anlässlich der Veröffentlichung des Weltbildungsberichts 2019 erklärt Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek, Direktor des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache der Universität zu Köln:

„Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland bei der Bildung und Integration von Geflüchteten gut ab. Dennoch gibt es Herausforderungen. In Deutschland sind viele unterschiedliche Modelle im Einsatz, wie neu zugewanderte Kinder und Jugendliche in das deutsche Schulsystem aufgenommen werden – von der gemeinsamen Beschulung von Anfang an bis zu so genannten Willkommens- oder Vorbereitungsklassen. Wichtig ist, dass die Kinder von Beginn an und so lange wie nötig gezielt gefördert werden, unabhängig vom Modell. Wenn es Vorbereitungsklassen gibt, ist der Übergang in die Regelklasse entscheidend. Kinder sollten nicht lange ausschließlich in Extraklassen unterrichtet werden. Besser ist es, sie zumindest teilweise in den Regelunterricht zu integrieren. Dann bekommen sie Impulse durch ihre Mitschüler und den Unterricht in anderen Fächern.

Der Weltbildungsbericht hat auch festgestellt, dass Lehrkräfte auf die wachsende Heterogenität im Klassenzimmer vorbereitet werden müssen. Damit sind keine Einzelmaßnahmen gemeint, sondern systematische Konzepte von der Feststellung der Sprachkenntnisse über die Zuweisung zu Klassen bis hin zu spezifischen Lehrplänen. Ein zentrales Element ist der sprachsensible Unterricht, der zusätzliche Unterstützung auch für Kinder mit geringen Deutschkenntnissen vorsieht. Sprachliche Bildung findet nicht nur im Deutschunterricht statt, sondern in allen Fächern. Nur wer versteht, kann auch lernen. Sprachliche Bildung muss daher verpflichtender Bestandteil in der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften werden. Zusätzlich ist es notwendig, den länderübergreifenden Austausch voranzutreiben. In vielen Bundesländern gibt es gut erprobte und evaluierte Konzepte, Maßnahmen und Instrumente für sprachliche Bildung. Jetzt braucht es zusätzliche Formate, in denen das Wissen und die Ansätze in die Praxis übertragen werden können.“

Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an:

Anna Kleiner, Kommunikation
Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache
Universität zu Köln
Tel. 0221 – 470 7700, anna.kleiner(at)mercator.uni-koeln[dot]de

Über das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache

Das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache ist ein von der Stiftung Mercator initiiertes und gefördertes Institut der Universität zu Köln. Es will sprachliche Bildung verbessern. Um dieses Ziel zu erreichen, erforscht und entwickelt es innovative Konzepte, Maßnahmen und Instrumente für sprachliche Bildung. Es bildet regional Lehramtsstudierende aus sowie bundesweit Pädagoginnen und Pädagogen in Kitas, Schulen und der Erwachsenenbildung fort und bereitet wissenschaftliche Erkenntnisse gezielt für Entscheidungsträger in Bildungspolitik und -verwaltung sowie Bildungspraxis auf. Mit seiner Forschung und seinen wissenschaftlichen Serviceleistungen zu sprachlicher Bildung in einer mehrsprachigen Gesellschaft trägt das Mercator-Institut zu mehr Chancengleichheit im Bildungssystem bei.

Weitere Informationen unter www.mercator-institut-sprachfoerderung.de


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