Aktuell
08. Januar 2016 Aktuelles

Neues Projekt bereitet angehende Lehrkräfte auf den Unterricht mit Flüchtlingen vor

Das niedersächsische Projekt „Studierende unterstützen Flüchtlinge beim Spracherwerb“ wird wissenschaftlich begleitet: Die Universitäten Göttingen, Hildesheim und Lüneburg wollen daraus gemeinsame Standards für die Qualifizierung im Bereich der Sprachförderung ableiten und digitale Lehrveranstaltungen entwickeln. Die Ergebnisse sollen anschließend allen lehramtsausbildenden Hochschulen in Niedersachsen zur Verfügung stehen und sie in die Lage versetzen, ihre Studierenden noch besser auf die ehrenamtliche Tätigkeit in der Flüchtlingsarbeit vorzubereiten. Das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache der Universität zu Köln fördert das Projekt ab Januar 2016 ein Jahr lang mit insgesamt rund 110.000 Euro, die drei Universitäten beteiligen sich mit Eigenmitteln in Höhe von insgesamt etwa 62.000 Euro.

Das neue Pilotprojekt ist Bestandteil des niedersächsischen Verbundprojekts „Umbrüche gestalten“, an dem alle lehramtsausbildenden Hochschulen des Landes beteiligt sind. „In der Flüchtlingsfrage geht es nicht um Wettbewerb im Hochschulwesen, sondern darum, dass die niedersächsischen Hochschulen eng zusammen-arbeiten, im Interesse der Qualität der Ausbildung und der Flüchtlinge“, so Prof. Dr. Hiltraud Casper-Hehne, Vizepräsidentin für Internationales der Universität Göttingen und Projektleiterin von „Umbrüche gestalten“. Das vierköpfige Projektteam besteht aus der Leiterin des Teilprojekts Prof. Dr. Andrea Bogner (Universität Göttingen, Mehrsprachigkeit und Interkulturalität), Prof. Dr. Viola Georgi (Universität Hildesheim, Bildungsforschung), Prof. Dr. Astrid Neumann (Universität Lüneburg, Sprachdidaktik) und Prof. Dr. Haymo Mitschian
(Universität Göttingen, Mediendidaktik). Das Team arbeitet eng mit dem niedersächsischen Verbund für Lehrerbildung zusammen.

Das vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) geförderte Projekt „Studierende unterstützen Flüchtlinge beim Spracherwerb“ beruht auf dem Konzept des Service Learning. Hierbei setzen Studierende ihre theoretischen Kenntnisse bereits während des Studiums ehrenamtlich in die Praxis um, erwerben dabei Kompetenzen in der interkulturellen Sprachenvermittlung und erhalten dafür Credits an ihrer Universität. Die dafür entwickelten Angebote im Bereich der neuen Medien – unter anderem Online-Vorlesungen, Seminare, Webkonferenzen oder Module zur selbstgesteuerten Lernkontrolle – können den Hochschulen beispielsweise über das niedersächsische Verbundprojekt eCult und die Plattform Stud.IP zur Verfügung gestellt werden. Im neuen Projekt sollen zunächst die notwendigen Inhalte und mediendidaktischen Konzepte für ein derartiges gesamtniedersächsisches Programm entwickelt und abgestimmt werden.

An der Universität Göttingen gab es für das ursprünglich für 30 Studierende ausgelegte Programm binnen kürzester Zeit 260 Anmeldungen. In der ersten Phase wurden 95 Studierende aufgenommen, die bereits grundlegende Kompetenzen im Bereich der Sprachenvermittlung aus der „Zusatzqualifikation Interkulturalität und Mehrsprachigkeit / Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (ZIMD)“ mitbringen. Sie wurden mit Beginn des Wintersemesters 2015/2016 in interdisziplinären Workshops auf ihre Tätigkeit vorbereitet und engagieren sich nun im Deutschunterricht und als Sprachcoaches im Gasthörerprojekt der Universität, unterstützen Lehrende in Sprachlernklassen und gestalten Lese- und Schreib-AGs. „Die intensive fachliche Vorbereitung und enge Betreuung sind wesentliche Voraussetzungen für das Gelingen des Projekts“, erläutert Prof. Bogner. „Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen ist es uns wichtig, Standards für die Qualifizierung von Studierenden für die Sprachenförderung zu erarbeiten, die sie befähigen, einen Beitrag zu einer gerechten Verteilung von Bildungschancen und Teilhabe in der Gesellschaft zu leisten.“


nach oben