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12. Oktober 2016 Aktuelles Pressemitteilungen

Schulen müssen sich auf 200.000 neu zugewanderte Kinder und Jugendliche einstellen

Studie des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache und des Zentrums für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln:

Rund 200.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im schulpflichtigen Alter (6 bis 18 Jahre) sind 2015 neu nach Deutschland zugewandert / Ihr Anteil an der Gesamtschülerschaft beträgt zwei Prozent / Besondere Herausforderung in der beruflichen Bildung und am Übergang zwischen Schule und Arbeitsmarkt/ Kaum Veränderungen bei den Regelungen zur Schulpflicht: Schulzugang weiterhin erschwert

Köln, 12. Oktober 2016. Im Jahr 2015 sind rund 200.000 Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter (6 bis 18 Jahre) neu nach Deutschland zugewandert. Damit hat sich ihr Anteil an der Gesamtschülerschaft seit 2014 von einem auf zwei Prozent verdoppelt. Erweitert man die Gruppe auf Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 0 bis 25 Jahren, die potenziell Zugang zu Angeboten im Bildungssystem benötigen, steigt die Zahl auf 640.000. Das zeigt eine Untersuchung des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache und des Zentrums für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln.

„Das Bildungssystem muss sich nicht nur auf die Kinder und Jugendlichen einstellen, die derzeit neu nach Deutschland zuwandern, sondern auch jene im Blick behalten, die schon länger hier sind. Sie benötigen weiterhin Sprachförderung im Deutschen. Migration ist ein dauerhaftes Phänomen. Wir begrüßen daher, dass die Kultusministerkonferenz sich in der letzten Woche dazu bekannt hat, Strukturen, Konzepte und Qualifizierungsangebote auf Dauerhaftigkeit auszurichten“ schlussfolgert Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek, Direktor des Mercator-Instituts. Für die Studie wurden Daten des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2015 und des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) aus dem Jahr 2015 sowie der ersten Jahreshälfte 2016 ausgewertet. Die aktuelle Untersuchung baut auf einer im Oktober 2015 veröffentlichten Auswertung auf.

Die Unterschiede zwischen den Regionen haben sich 2015 gegenüber dem Vorjahr sichtbar verstärkt: Während der Anteil neu Zugewanderter an der Gesamtzahl 6 bis 18-jähriger in Brandenburg bei 1,4 Prozent liegt, verzeichnen das Saarland und Bremen 3,6 Prozent. 2014 lag der Durchschnitt in allen Bundesländern zwischen 0,6 und 1,8 Prozent.

Nicht nur regional, sondern auch zwischen den Schulformen zeigt sich ein deutliches Ungleichgewicht: Mehr als ein Drittel der neu Zuwandernden im schulpflichtigen Alter ist zwischen 15 und 18 Jahre alt und benötigt Bildungsangebote an Gymnasien oder beruflichen Schulen. „Diese Tendenz hat sich gegenüber dem Vorjahr noch einmal verstärkt. Daher kommt es jetzt darauf an, insbesondere im Berufsschulbereich und am Übergang zwischen Schule und Arbeitsmarkt neue Angebote zu schaffen“, fordert Mona Massumi, abgeordnete Lehrerin am Zentrum für LehrerInnenbildung und Mitautorin der Studie.

Kaum Veränderungen hat es seit 2014 bei der Regelung der Schulpflicht gegeben. Es hängt noch immer vom Bundesland ab, wann die Schulpflicht für Asyl suchende Kinder greift. In einigen Bundesländern gilt sie von Anfang an, in anderen erst nach drei oder sechs Monaten Aufenthalt. „Die Kultusministerkonferenz hat zwar erklärt, dass schulische Angebote von Anfang an bereit gestellt werden und nicht zwischen geflüchteten und nicht geflüchteten jungen Menschen unterschieden wird. Die Studie zeigt jedoch, dass es hier noch enormen Handlungsbedarf gibt, denn der Zugang zu Bildung für Asyl suchende Kinder ist noch immer erschwert. Es ist Aufgabe der Länder, den Schulzugang gesetzlich zu verankern und die Umsetzung sicherzustellen. Kein Kind sollte vom Schulbesuch ausgeschlossen werden“, sagt Dr. Nora von Dewitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Mercator-Institut und Mitautorin der Studie.

Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an:

Anna Kleiner, Kommunikation
Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache
Tel. 0221 – 470 7700
anna.kleiner(at)mercator.uni-koeln[dot]de

Über das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache

Das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache ist ein von der Stiftung Mercator initiiertes und gefördertes Institut der Universität zu Köln. Ziel des Instituts ist es, langfristig die sprachliche Bildung entlang des gesamten Bildungswegs und insbesondere in der Schule zu verbessern, damit alle Kinder und Jugendlichen gute Chancen auf eine erfolgreiche Bildungskarriere haben. Es berät Hochschulen dabei, Deutsch als Zweitsprache in der Lehrerausbildung zu verankern, fördert, vermittelt und betreibt anwendungsorientierte Forschung und trägt zur Qualifizierung von pädagogischen Fach- und Lehrkräften bei. Darüber hinaus beobachtet und berät es Bildungspraxis, -verwaltung und -politik.

Über das Zentrum für LehrerInnenbildung

Das Zentrum für LehrerInnenbildung (ZfL) an der Universität zu Köln koordiniert, moderiert und gestaltet als zentrale wissenschaftliche Einrichtung fakultäts- und hochschulübergreifend das Lehramtsstudium. Das ZfL berät und begleitet angehende LehrerInnen vom Orientierungspraktikum im ersten Semester bis zum Studienabschluss und während der Promotionsphase.

Unter einem Dach findet sich im ZfL das gemeinsame Prüfungsamt, die Graduiertenschule, das Beratungszentrum und Koordinationsstellen für zukunftsweisende Aspekte der LehrerInnenbildung. Das ZfL wirkt aktiv an der Entwicklung und Gestaltung struktureller, konzeptioneller und organisatorischer Rahmenbedingungen mit und pflegt den Dialog mit Institutionen der universitären wie auch praktischen LehrerInnenbildung und den zuständigen Ministerien.


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