Aktuell
22. Juni 2016 Aktuelles

Schreibkompetenz testen und fördern

Schreiben ist von hoher gesellschaftlicher Bedeutung und neben Lesen und Mathematik eine der Schlüsselqualifikationen für gesellschaftliche Partizipation. Nicht alle Schülerinnen und Schüler entwickeln jedoch eine entsprechende Schreibkompetenz. Voraussetzung für eine gezielte Förderung dieser Schülerinnen und Schüler  ist eine präzise Diagnose ihrer Schreibfähigkeiten. Zurzeit existiert hierzu kein deutschsprachiges Verfahren, das die Fähigkeit, Texte funktional angemessen zu produzieren, misst. Es sind lediglich didaktisch orientierte Bewertungsraster vorhanden, die den testtheoretischen Gütekriterien in der Regel nicht genügen. Englischsprachige Verfahren sind im Hinblick auf die Erfassung relevanter Konstrukte begrenzt und nicht umstandslos auf das Deutsche übertragbar.

Das Mercator-Institut entwickelt daher in einem interdisziplinären Team mit Prof. Dr. Jörg Jost (Institut für Deutsche Sprache und Literatur II),  Prof. Dr. Christian Rietz und Prof. Dr. Albred Schabmann (Department Heilpädagogik und Rehabilitation, alle Universität zu Köln) ein Testverfahren zur Erfassung der Schreibkompetenz von Schülerinnen und Schülern der 4. bis 9. Klassenstufe aller Schulformen.

Unter Berücksichtigung aktuellen Forschungslage sollen zum ersten Mal sowohl Einzeldimensionen der Schreibkompetenz, wie z.B. das Herstellen von Textkohärenz, als auch prozedurale Abläufe während des Schreibens erfasst werden. Methodisch soll der Zugang zum Konstrukt Schreibkompetenz sowohl über einzelne Items mit kürzeren Aufgaben zur Textproduktion und -rezeption (teils im Multiple-Choice-Format) als auch über Langtexte (Verfassen eines informierenden Textes) erfolgen. Die Normierung erfolgt im gesamten Bundesgebiet und bezieht verschiedene Merkmale wie Geschlecht und Migrationshintergrund mit ein.

Das Projekt ist über zwei Jahre hinweg angelegt. In diesem Zeitraum erfolgen die Operationalisierung des Konstruktes, die Entwicklung und Erprobung entsprechender Aufgabenstellungen, die Validierungen und die Normierung. Die Fertigstellung des Manuals und die Publikation des Verfahrens sind für 2017 geplant.


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