Bericht

Sprachliche Heterogenität: Schul- und Unterrichtsentwicklung konkret

Wie kann der Unterricht in sprachlich heterogenen Klassen so gestaltet werden, dass alle Schülerinnen und Schüler optimal gefordert und gefördert werden? Diesen Fragen widmete sich die dritte Jahrestagung des Mercator-Instituts mit dem Titel „Sprachliche Heterogenität: Schul- und Unterrichtsentwicklung konkret“. Auf dieser und den folgenden Seiten finden Sie die Dokumentation der Vorträge, Symposien und Praxisworkshops.

Sprachlich heterogene Klassen sind an den meisten Schulen in Deutschland Alltag. Studien zeigen jedoch, dass sprachliche Kompetenz und soziale Herkunft noch immer einen wesentlichen Einfluss auf den Bildungserfolg haben. Gerade Schülerinnen und Schüler, die mit einer anderen Sprache als Deutsch aufwachsen, sind häufig schulisch benachteiligt. Um dies zu ändern steht nicht nur die einzelne Lehrkraft, sondern das ganze System Schule vor neuen Herausforderungen: Wie kann der Unterricht in sprachlich heterogenen Klassen so gestaltet werden, dass alle Schülerinnen und Schüler optimal gefordert und gefördert werden? Wie lassen sich diese Konzepte nachhaltig an Schulen verankern? Wie findet sprachliche Bildung auch außerhalb des Unterrichts statt?

Diesen Fragen widmete sich die dritte Jahrestagung des Mercator-Instituts mit dem Titel „Sprachliche Heterogenität: Schul- und Unterrichtsentwicklung konkret“ am 22. und 23. Februar 2016 im KOMED im Mediapark in Köln. Auf dieser und den folgenden Seiten finden Sie die Dokumentation der Vorträge, Symposien und Praxisworkshops.

Während des Plenumsphasen kam fillip zum Einsatz – via Smartphone konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Fragen stellen, Vorträge kommentieren und ihre Ideen für Schul- und Unterichtsentwicklung im Kontext sprachlicher Heterogenität einbringen.

Hier finden Sie einige Fragen an Prof. Dr. Hans Anand Pant:

"Um Veränderungen an Schulen zu initiieren und realisieren zu können, braucht es neben der kritischen Masse an engagierten Menschen sicherlich auch strategisch geeignete Schnittstellen. Welche Möglichkeiten gibt es für die verschiedenen Positionen (Schulleitung, Kollegium, Schülerschaft), eine förderliche Veränderung voranzutreiben?"

"Mehrsprachigkeit wird als große Ressource betrachtet, die Schlüsselkompetenz für den Schulerfolg sind aber die Deutschkenntnisse. Liegt das vielleicht an der Einsprachigkeit im Schulalltag?"

"Fehlt bei der ganzen Diskussion um sprachliche Förderung nicht der Aspekt der Motivation der Lernenden? Sprachenlernen muss Spaß machen, ansonsten erreicht man die Jugendlichen nicht."

Das Fachgespräch von Prof. Dr. Ursula Neumann und Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek kommentierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer so: 

"Zeit brauchen vor allem die Lernenden. Die durchgängige Sprachbildung hat die Berufsausbildung noch nicht erreicht, hier scheitern junge Geflüchtete im eng gesteckten Rahmen von drei Jahren."

"Die Schule kann ihre Zielvorstellungen nicht alleine entwickeln. Es braucht eine politische Linie."

"Wieso dürfen gut ausgebildete DaZ und DaF Lehrkräfte nicht an den Schulen das leisten, was aktuell LehrerInnen noch nicht schaffen? Nur, weil deren Abschluss kein klassisches Lehramt ist? Wir brauchen ExpertInnen zusätzlich zu gut ausgebildeten Regelschullehrern."

"DaZ-Unterricht ist häufig immer noch Grammatikunterricht, weil es häufig an Lehrern mit entsprechender Aus- und Fortbildung fehlt."

Im Abschlussgespräch ging es um die Frage, welche konkrete Schlüsse Vertreterinnen und Vertreter aus der Schulpraxis und Bildungsadministration ziehen können. Hier einige Eindrücke der Teilnehmerinnen und Teilnehmer: 

"Positive Einstellung zu Schulentwicklung an Schulen durch das Zeigen von Best-Practise und konkreten Austausch befördern."

"Zusammenarbeit kann auch finanzielle Unterstützung freisetzen!"
"Ganztag und sprachliche Bildung stärker zusammendenken: Unterstützung von außen ist wichtig!"

"Lernen am Modell kann sowohl ganzheitlich im Großen als auch in kleinen Themenbereichen Anwendung finden. Die eigene Einstellung macht den Unterschied!"

"Mehr Zeit für langfristige Entwicklungsprozesse"

Informationen zu diesem Thema

Sprachliche Bildung/Sprachförderung beim Mercator-Institut

Sprachliche Bildung für alle Kinder und Jugendlichen ist Aufgabe der Bildungsinstitutionen. Sie erfolgt integriert im Alltag der Kitas bzw. im Unterricht, nicht beiläufig, sondern gezielt. Sprachliche Bildung bezeichnet alle systematisch angeregten Sprachlernprozesse und ist allgemeine Aufgabe im Elementarbereich wie im Unterricht aller Fächer. Die Erzieherin oder Lehrperson greift geeignete Situationen auf und gestaltet sprachlich bildende Kontexte für alle Kinder und Jugendlichen. Sprachförderung bezeichnet in Abgrenzung zur sprachlichen Bildung Fördermaßnahmen für die Kinder und Jugendlichen, bei denen besondere Schwierigkeiten oder Entwicklungsrückstände diagnostiziert wurden.

Die Maßnahmen können in der Schule unterrichtsintegriert oder additiv erfolgen. Sprachförderung ist häufig ausgerichtet auf bestimmte Adressatengruppen und basiert auf spezifischen (sprach-)didaktischen Konzepten und Ansätzen, die den jeweils besonderen Förderbedarf berücksichtigen, wie z.B. Kinder, die Deutsch als Zweitsprache erlernen (vgl. BiSS-Expertise 2012: 23).

Durch die Förderung von Projekten sowie eigene Forschungstätigkeiten will das Mercator-Institut zur Verbesserung von Instrumenten und zur Qualitätssicherung in der sprachlichen Bildung und Förderung beitragen. Einen aktuellen Überblick zur Wirksamkeit der Förderung verschiedener sprachlicher Teilfertigkeiten (Lesen, Schreiben, Sprechen und Zuhören) bietet die Expertise zur Wirksamkeit von Sprachförderung, die das Mercator-Institut gemeinsam mit dem Zentrum Lesen der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz im Auftrag der Bildungsdirektion des Kanton Zürich erstellt hat.

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