Bericht

Sprachbildung in der Lehrkräftebildung stärken

Im Projekt "Sprachen-Bilden-Chancen: Innovationen für das Berliner Lehramt" wurden die seit 2007 in der Lehrerausbildung verankerten Lehrveranstaltungen Sprachbildung/Deutsch als Zweitsprache (DaZ) untersucht, um auf Grundlage der Ergebnisse fächerübergreifende und fächerspezifische Materialien und Konzepte für die universitäre Lehre zu erarbeiten und ein phasenübergreifendes Ausbildungskonzept für die Sprachbildung im Lehramt zu entwickeln.

Treten Berliner Lehrerinnen und Lehrer vor eine Schulklasse, erwartet sie in nahezu allen Schulen eine große sprachliche Vielfalt. Mehr als 35 Prozent der Schülerinnen und Schüler in der Hauptstadt lernen Deutsch als zweite Sprache, in ihrer Familie sprechen sie meistens eine andere, ihre Herkunftssprache. Für einen großen Teil dieser Kinder, aber auch für einige Kinder, die einsprachig Deutsch aufwachsen, sind die sprachlichen Anforderungen in der Schule eine Hürde.
Wie sie diese Schülerinnen und Schüler unterstützen können, lernen Berliner Lehrerinnen und Lehrer bereits während ihres Studiums in den Lehrveranstaltungen zu Sprachbildung/Deutsch als Zweitsprache (DaZ). Anders als in vielen anderen Bundesländern ist die Teilnahme für die Studierenden aller Lehramtsstudiengänge in Berlin bereits seit 2007 verpflichtend.

Das Projekt „Sprachen – Bilden – Chancen: Innovationen für das Berliner Lehramt“ der Freien Universität, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Technischen Universität hat in den Jahren 2014 bis 2017 diese Lehrveranstaltungen erstmals untersucht und ausgewertet. Die Ergebnisse waren die Grundlage für das Projektteam um fächerübergreifende und fächerspezifische Materialien und Konzepte für die universitäre Lehre zu erarbeiten und ein phasenübergreifendes Ausbildungskonzept für die Sprachbildung im Lehramt zu entwickeln. Ziel des Projekts war, die Lehrkräftebildung in den Bereichen Sprachbildung, Sprachförderung und DaZ zu verbessern.

Im Juli 2017 endet „Sprachen-Bilden-Chancen“. Zum Abschluss hat das Projektteam einige zentrale Empfehlungen für eine bessere Lehre im Bereich Sprachbildung/DaZ erarbeitet und bei einer Abschlusstagung der Öffentlichkeit präsentiert:

Von Anfang an: Sprachbildung im Studium

Die Evaluation der Sprachbildung/DaZ-Lehrveranstaltungen ergab, dass der Bezug der fachlichen Lerninhalte zu Sprachbildung/DaZ so früh wie möglich hergestellt werden muss. Nur so wird den Studierenden klar, wie wichtig Kenntnisse in diesem Bereich für die Arbeit in der Schule sind. Das heißt, dass bereits im Bachelor-Studium Sprachbildung/DaZ ein Thema sein sollte, denn diese Kenntnisse werden unter anderem als Vorbereitung auf das Praxissemester im Masterstudium gebraucht.

Generell wäre es hilfreich, wenn sprachbildende Materialien nicht nur früher, sondern auch systematischer in die fachdidaktische Lehre einbezogen werden. Und wenn sprachbildende Inhalte durchgängig während des gesamten Studiums, insbesondere aber während des Praxissemesters, vermittelt werden.

Mehr Forschung für eine wirksame Lehre

Sprachbildung und DaZ sind Querschnittsthemen, ähnlich wie Inklusion, die alle Fächer und alle Schulformen betreffen. Das ist eine nicht neue aber immer wiederkehrende Erkenntnis, die auch im Projekt einmal mehr deutlich wurde. Leider zeigte sich aber auch, dass die Qualität der derzeitigen Angebote nicht zufriedenstellend ist. Um das zu ändern und die Lehramtsstudierenden noch besser ausbilden zu können, braucht es spezifische Evaluationsinstrumente und interdisziplinäre Forschung. Das würde auch dem sprachbildenden Fachunterricht zugutekommen, damit er einen theoretischen Rahmen mit einem konkreten Anwendungsbezug bekommt.

Systematischer Austausch für eine bessere Lehre in allen Phasen

Ein intensiver Austausch der Akteure der Lehrkräftebildung im Bereich Sprachbildung/DaZ ist die Voraussetzung dafür, dass sie die Lehrinhalte aufeinander abstimmen können. Das wiederum ist unabdingbar für eine erfolgreiche Ausbildung der zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer. Eine klare Empfehlung ist deshalb, einen systematischen Austausch sowohl innerhalb der Universitäten und zwischen den Universitäten als auch zwischen den drei Phasen der Lehrkräftebildung zu installieren:

  • innerhalb der Universitäten zwischen den Lehrveranstaltungen im Studienanteil Sprachbildung/DaZ, zwischen den Fachbereichen und den Studiengängen sowie zwischen den Akteuren des Studienanteils Sprachbildung, den Fachdidaktiken und der Deutsch- und DaZ-Didaktik,
  • zwischen den Universitäten, zum Beispiel durch gemeinsame regelmäßige Workshops für die Dozentinnen und Dozenten der Sprachbildung/DaZ-Module,
  • zwischen den drei Phasen der Lehrkräftebildung (Universität, Vorbereitungsdienst, Fort- und Weiterbildung), um eine zielgruppenspezifische Abstimmung der Inhalte im Bereich Sprachbildung/DaZ zu erreichen, und in Hinblick auf die Verwendung eindeutiger Begriffe, den theoretischen Rahmen und die Themen Diagnostik und Förderung. Um den Austausch, der im Projekt begonnen und gut funktioniert hat, zu institutionalisieren und zu verstetigen, ist eine koordinierende Instanz vonnöten. Das könnte beispielsweise eine verantwortliche Person am Berliner Zentrum für Sprachbildung (ZeS) sein.

Gute Rahmenbedingungen + gute Lehre = gut ausgebildete Lehrkräfte

In allen drei Phasen der Lehrkräftebildung zeichnet sich ein großer Qualifizierungsbedarf des Lehrpersonals ab. Hierbei sollten insbesondere die fachdidaktischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Lehrbeauftragten des Arbeitsgebiets Sprachbildung in den Blick genommen werden. Es ist wünschenswert, dass die Qualifizierungsprozesse im Hinblick auf Haupt- und Fachseminarleiterinnen und -leiter des Vorbereitungsdienstes und die Mentorinnen und Mentoren des Praxissemesters abgestimmt werden.

Grundsätzlich sind zusätzliche personelle Ressourcen (hauptberufliche Dienstverhältnisse) an den Universitäten notwendig, um den langfristigen und kontinuierlichen Austausch zwischen den Berliner Universitäten im Bereich Sprachbildung/DaZ und den interdisziplinären Austausch zu gewährleisten. Das betrifft auch die weiterhin notwendige Material- und Konzeptentwicklung, die Weiterführung der Kooperationen mit den Fachdidaktiken sowie von den Universitäten verantwortete Qualifizierungsangebote für Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren.

Autorin

Charlotte Kohrs arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeitern im Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen e.V. und ist im Projekt "Sprachen-Bilden-Chancen" als Kommunikationsmanagerin tätig.


Das Projekt "Sprachen-Bilden-Chancen" wurde durch das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache gefördert.

Informationen zu diesem Thema

Lehrerbildung beim Mercator-Institut

Sprache ist ein wichtiger Schlüssel für Bildungserfolg und gesellschaftliche Teilhabe; deshalb setzt sich das Mercator-Institut für eine durchgängige Sprachbildung in der Schule ein. Diese kann nur gelingen, wenn angehende Lehrkräfte aller Fächer und Schulformen bereits im Studium und auch im Vorbereitungsdienst für das Thema sprachliche Heterogenität sensibilisiert und vorbereitet werden.

Daher setzt sich das Mercator-Institut dafür ein, die Lehrerbildung in diesem Bereich zu stärken und Reformprozesse auf bildungspolitischer Ebene zu unterstützen. Vor diesem Hintergrund fördert das Mercator-Institut u. a. zehn Entwicklungsprojekte in Berlin, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die Hochschulen führen obligatorische Module zu den Themen Sprachförderung, Deutsch als Zweitsprache sowie Sprachbildung ein und verbessern bestehende Formate, z. B. durch innovative Lehr-Lernformate.

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