Bericht

Kick-off der Weiterbildungsinitiative Deutsch als Zweitsprache in NRW

Die große Zahl an neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen stellt das Land Nordrhein-Westfalen und die Kommunen als Schulträger vor die große Herausforderung, allen schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen ein qualitativ hochwertiges Bildungsangebot zu machen. Die Förderung sprachlicher Fähigkeiten und die Vermittlung des Deutschen als Zweitsprache sind jedoch auch in der Berufs- und Erwachsenenbildung, insbesondere in Integrations- und Sprachkursen, von zentraler Bedeutung. Hier setzt die Weiterbildungsinitiative Deutsch als Zweitsprache an. Im März trafen sich alle beteiligten Hochschulen zum Kick off.

Gute Sprachkenntnisse, vermittelt durch eine konstruktive Verknüpfung von sprachlicher und fachlicher Bildung, sind die Grundvoraussetzungen für eine gelingende Integration und Teilhabe an der Gesellschaft. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, sind Fortbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten nötig: für Lehrkräfte in der Erwachsenenbildung sowie für (angehende) Lehrerinnen und Lehrer an Schulen, die neu zugewanderte Kinder und Jugendliche sowie Schülerinnen und Schüler mit Sprachförderbedarf unterrichten.

Um ab dem Wintersemester 2016 Studienangebote für die Qualifizierung in diesen Bereichen zu schaffen, hat das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen sechs Millionen Euro für die elf lehrerbildenden Hochschulen in NRW zur Verfügung gestellt. Gemeinsam mit dem Ministerium leisten die Hochschulen durch die mittlerweile angelaufene Weiterbildungsinitiative Deutsch als Zweitsprache und die damit verbundene Zusatzqualifikation somit einen Beitrag zur Bewältigung dieser vielfältigen neuen Herausforderungen in den Bereichen Bildung und Integration.

Qualifizierungstreffen und Kick-off

Zum Kick-off der Weiterbildungsinitiative am 20. März an der Universität zu Köln trafen sich Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Bildungsadministration und Praxis sowie Lehrende der Weiterbildungsmodule aller elf lehrerbildenden Hochschulen Nordrhein-Westfalens. Noch ehe der öffentliche Teil am Nachmittag mit Diskussionsrunden und Vorträgen rund um Integration durch sprachliche und berufliche Bildung oder die Sprachbildung im Fachunterricht begann, standen im Rahmen eines Qualifizierungstreffens am Vormittag vier Themen im Fokus, die in Workshops vertieft wurden.

Im Workshop „Vorbereitung von Studierenden auf den Unterricht mit neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen“ von Lotte Weinrich und Alexandra Zepter wurden die besonderen Herausforderungen im Unterricht von Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern diskutiert und die Methode eines besonderen Sprachförderansatzes anhand praxisorientierter Beispiele erläutert.

Wie „Portfolioarbeit im DaZ-Modul und im Weiterbildungsstudium“ als Instrument der differenzierten Lernbegleitung eingesetzt werden kann, war Inhalt des Workshops von Eva-Maria Rottlaender. Darüber hinaus kamen Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Austausch über verschiedene Portfolio-Konzeptionen und konnten eigene Ideen und Konzepte entwickeln.

Der praktische Einsatz von E-Learning, Blended Learning und Mobile Learning stand im Mittelpunkt des Workshops „E-Learning-Elemente in der Lehrkräfteaus- und -fortbildung im Kontext von Deutsch als Zweitsprache“ von Antje Rüger. Insbesondere wurden beispielhaft eine E-Learning-Sequenz der Universität Leipzig vorgestellt sowie einfache technische Möglichkeiten zur Einbindung von Online-Aufgabentypen praktisch ausprobiert.

Bedingt durch die Heterogenität der Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Sprachkursen in Bezug auf (Bildungs-)Biografie, Lebenssituation, Vorkenntnisse etc. ergeben sich spezifische Herausforderungen für die Erwachsenenbildung. Diese Problemstellung wurde von Hannes Schröter im Workshop „Deutsch als Zweitsprache und Alphabetisierung in der Erwachsenenbildung“ vorgestellt und anhand des Projekts KANSAS (Kompetenzadaptive, nutzerorientierte Suchmaschine für authentische Sprachlerntexte), das Lehrkräfte der Alphabetisierung und Grundbildung bei der Unterrichtsvorbereitung unterstützt, vertieft.

DaZ in der Diskussion

Im Anschluss an das Qualifizierungstreffen fand im Hauptgebäude der Universität zu Köln der feierliche Auftakt der Weiterbildungsinitiative statt. In diesem Rahmen wurden die unterschiedlichen Herausforderungen und Chancen der pädagogischen Fortbildung im Bereich Deutsch als Zweitsprache in den Blick genommen. Vertreterinnen und Vertreter aus Bildungsadministration, Wissenschaft und Praxis traten in verschiedenen Gesprächsrunden in einen Dialog, der vielfältige Perspektiven eröffnete und weitere Impulse gab. Insbesondere der Transfer von Erkenntnissen aus der Wissenschaft in die Lehrerfortbildung und Unterrichtspraxis sowie Kriterien und Methoden wirksamer Sprachbildung wurden diskutiert.

 

 

Übersicht der Workshops

„Vorbereitung von Studierenden auf den Unterricht mit neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen“

Im Rahmen der Aufgabe, innerhalb von kurzer Zeit eine große Zahl von neu zugewanderten bzw. geflüchteten Kindern und Jugendlichen in den Regelunterricht zu integrieren, sind fachdidaktische Konzepte erforderlich, die eine schnelle, nachhaltige und konstruktiv teilhabende Eingliederung in das deutsche Bildungssystem auf der Basis eines effektiven Deutschlernens ermöglichen. Gleichzeitig benötigen die Lehrkräfte ein hohes Maß an fachlicher Expertise. An der Universität zu Köln entwickeln wir Sprachförderkonzepte und -Materialien, die wir zusammen mit Studierenden im Lehramt Deutsch im Feld erproben. Die Studierenden erhalten derart die Chance, ihre Lehr- Expertise noch während ihres Studiums in reflektierten Praxisphasen zu formen und auszubauen. Zentraler Moment unseres Sprachförderansatzes ist es, sprachliches Ausdrucksbedürfnis durch eine Anregung der Vorstellungskraft zu unterstützen und grammatisches Lernen auf der Basis eines ganzheitlichen Zugriffs auf literarische Stoffe, der Kognition, Sinne, Emotion und Bewegung gleichermaßen anspricht, zu ermöglichen.

Im Workshop gehen wir auf die besonderen Herausforderungen im Unterrichten von Seitensteigerinnen und Seiteneinsteigern ein, erläutern die Methoden unseres Sprachförderansatzes und illustrieren diese an konkreten Beispielen.

Workshopleitung: Dr. Lotte Weinrich und PD Dr. Alexandra L. Zepter, Universität zu Köln

„Portfolioarbeit im DaZ-Modul und im Weiterbildungsstudium – Konzepte, Ideen, Einsatzmöglichkeiten“

Zunächst stellt das Portfolio seiner Wortbedeutung nach lediglich eine Mappe dar, in der Lernende Arbeitsergebnisse, kreative Aufgaben, Materialien u.Ä. zu einer Lehrveranstaltung „sammeln“. Mehr als ein Ablageort soll und kann es jedoch auch zu einem Lernprozessbegleit-und Reflexionsinstrument eingesetzt und genutzt werden.

Nicht selten sind die Erstellung und die fristgerechte Abgabe eines Portfolios in den Studienordnungen als Prüfungsleistung festgeschrieben. D.h., das Portfolio ist auch etwas, was von den Lehrenden in irgendeiner Form „korrigiert“ und bewertet werden muss.

In Anbetracht seiner Einsatzmöglichkeiten und Gestaltungsvarianten gibt es das Portfolio an sich nicht – sondern, jede*r Lehrende ist aufgefordert ihre/seine Konzeption eines Portfolios passend zu ihrer/seiner Lehrveranstaltung anzufertigen und für deren Bewertung Kriterienraster zu erstellen.

Dieser Workshop bietet die Möglichkeit, mit Kollegen*innen in den Austausch über verschiedene Portfolio-Konzeptionen. Darüber hinaus lässt er kreativen Freiraum für die Entwicklung eigener, neuer Ideen und Konzepte. Schließlich werden den Teilnehmenden Hinweise und Anregungen gegeben, wie Portfolioarbeit auch als Instrument der differenzierten Lernbegleitung eingesetzt werden kann.

Workshopleitung: Eva-Maria Rottlaender, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Hochschuldidaktik der Universität zu Köln, Dozentin für Pädagogik an einer privaten Berufsfachschule für die Ausbildungsgänge Ergotherapie und Logopädie, Lernberaterin. 

„E-Learning-Elemente in der Lehrkräfteaus- und -fortbildung im Kontext von Deutsch als Zweitsprache“

E-Learning, Blended Learning und Mobile Learning halten zunehmend in die verschiedensten Bildungskontexte Einzug und werden auf äußerst vielfältige Weise umgesetzt. Im Workshop werden wir deshalb zunächst Erfahrungen und Anwendungsbeispiele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammentragen und klassifizieren. Es werden einfache technische Möglichkeiten vorgestellt und ausprobiert, wie dieser Erfahrungsaustausch auch nach dem Treffen weitergeführt werden kann bzw. wie man auch den Erfahrungsaustausch zwischen Studierenden anregen und organisieren kann.

Am Beispiel einer kurzen E-Learning-Sequenz aus einem Modul im Rahmen der berufsbegleitenden Weiterbildung DaZ, die seit 2013 an der Universität Leipzig für Lehrerinnen und Lehrer sächsischer Schulen angeboten wird, werden folgende Aspekte der Einbindung von E-Learning-Elementen in die Aus- und Fortbildung von DaZ-Lehrenden vorgestellt:

     

  • didaktische Gestaltung und technische Umsetzung ausgewählter Online-Aufgabentypen
  • Zusammenspiel zwischen Online- und Präsenzanteilen in einer zusammenhängenden Modulsequenz
  • damit verbundene Herausforderungen und Lösungsansätze (z. B. Motivation und Feedback)
  • Potential von E-Learning-Anteilen für die Binnendifferenzierung in Aus- und Fortbildungskursen
  •  

Im Mittelpunkt stehen dabei kooperative Aufgabenformate, die nicht an eine bestimmte technische Lernumgebung (z. B. an eine bestimmte Lernplattform) gebunden sind.

Abschließend werden wir gemeinsam die besonders sinnvollen Szenarien und Aufgabenformate festhalten und deren Mehrwert für die Lehrkontexte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer besprechen. Im Workshop werden einzelne Online-Aufgaben praktisch ausprobiert.

Workshopleitung: Antje Rüger, Universität Leipzig

„Deutsch als Zweitsprache und Alphabetisierung in der Erwachsenenbildung“

Der Workshop befasst sich mit den spezifischen Herausforderungen für die Erwachsenenbildung in den Bereichen Deutsch als Zweitsprache und Alphabetisierung. Die Adressaten entsprechender Kursangebote zeichnen sich durch sehr heterogene sprachliche Vorkenntnisse, (Bildungs-)Biographien, Lebenssituationen, Lernmotivationen und Lernziele aus, was besondere Anforderungen an die Lehrkräfte und ihre Unterrichtsgestaltung stellt.

Im Workshop soll ein Überblick über

     

  • die unterschiedlichen Adressatengruppen und Kursangebote,
  • den derzeitigen Stand von Forschung und Förderung,
  • gegenwärtige Maßnahmen zur (weiteren) Professionalisierung des Lehrpersonals,
  • die berufliche Situation von Lehrkräften,
  • die Entwicklung und den Einsatz (binnendifferenzierter) didaktischer Materialien und Methoden,
  • die Diagnose individueller Lernstände und Lernverläufe sowie
  • Unterstützungsmöglichkeiten für selbstgesteuertes Lernen
  •  

gegeben und mit den Teilnehmenden des Workshops diskutiert werden.

Einen Schwerpunkt des Workshops bildet die Frage, inwieweit der Einsatz digitaler Medien einen Mehrwert zu traditionellen Lehr-/Lernmethoden bieten und somit zu einem erfolgreichen Erwerb (schrift-)sprachlicher Kompetenzen beitragen kann. Ausgewählte Beispiele für digitale Lehr-/Lernwerkzeuge sollen im Workshop vorgestellt und kritisch hinsichtlich ihres potentiellen Nutzens für Lernende und Lehrende bewertet werden. Mit der kompetenzadaptiven, nutzerorientieren Suchmaschine für authentische Sprachlerntexte (KANSAS) soll zudem ein Projekt vorgestellt werden, dessen Ziel die Entwicklung eines digitalen Instruments zur Unterstützung von Lehrkräften bei ihrer Unterrichtsvorbereitung ist. KANSAS soll neben den Inhalten auch die sprachliche Komplexität digitalisierter Texte im Internet oder in elektronischen Korpora berücksichtigen und so die Identifikation authentischer Lerntexte vereinfachen, die der gegenwärtigen individuellen Lesekompetenz der Lernenden entsprechen. Die Teilnehmenden des Workshops haben die Möglichkeit, einen Prototyp von KANSAS praktisch zu testen und den potentiellen Nutzen des Instruments zu diskutieren.

Workshopleitung: PD Dr. Hannes Schröter ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung „Lehren, Lernen, Beraten" im Forschungsbereich des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. (DIE). Der Kognitionspsychologe forscht u.a. zum Thema Spracherwerb und Sprachförderung.

Informationen zu diesem Thema

Lehrerbildung beim Mercator-Institut

Sprache ist ein wichtiger Schlüssel für Bildungserfolg und gesellschaftliche Teilhabe; deshalb setzt sich das Mercator-Institut für eine durchgängige Sprachbildung in der Schule ein. Diese kann nur gelingen, wenn angehende Lehrkräfte aller Fächer und Schulformen bereits im Studium und auch im Vorbereitungsdienst für das Thema sprachliche Heterogenität sensibilisiert und vorbereitet werden.

Daher setzt sich das Mercator-Institut dafür ein, die Lehrerbildung in diesem Bereich zu stärken und Reformprozesse auf bildungspolitischer Ebene zu unterstützen. Vor diesem Hintergrund fördert das Mercator-Institut u. a. zehn Entwicklungsprojekte in Berlin, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die Hochschulen führen obligatorische Module zu den Themen Sprachförderung, Deutsch als Zweitsprache sowie Sprachbildung ein und verbessern bestehende Formate, z. B. durch innovative Lehr-Lernformate.

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