Jahrestagung des Mercator-Instituts: Sprachliche Bildung und Zuwanderung. Eine Zwischenbilanz

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Montag, 19. Februar 2018

Dienstag, 20. Februar 2018

11:15 – 16:00 Uhr · Parallele Workshops, Fachgespräche und Symposium

Symposium

Lehrerprofessionalisierung im Kontext von Mehrsprachigkeit

Lehrende aller Fächer und Schulformen unterrichten heutzutage mehrsprachige Schülerinnen und Schüler – mehrsprachig vor allem durch Migrationshintergründe, Neuzuwanderung, bilinguale Elternhäuser und schulischen Sprachunterricht. Mehrsprachigkeit ist dabei als Ressource zu verstehen: Kinder und Jugendliche erwerben fachliche Fähigkeiten in Sprache(n) und ihre Persönlichkeitsentwicklung sowie Identitätskonstruktion sind stark mit ihren Sprachen verwoben. Studien haben darüber hinaus gezeigt, dass mehrsprachige Individuen erhöhte (meta-)linguistische und (meta-)kognitive Fähigkeiten entwickeln können. Gleichzeitig kann beobachtet werden, dass sich diese erhöhten Fähigkeiten nicht automatisch einstellen und mehrsprachig aufwachsende Schülerinnen und Schüler in Deutschland häufig Bildungsbenachteiligungen unterliegen. Damit diese Kinder und Jugendlichen ihre sprachlichen Ressourcen für das Lernen in allen Fächern nutzen können, in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützt werden und kognitive Vorteile von Mehrsprachigkeit zum Tragen kommen, bedarf es einer entsprechenden Unterstützung durch alle Lehrkräfte. Lehrerinnen und Lehrer benötigen daher in möglichst allen Phasen von Aus- und Weiterbildung die Gelegenheit zur Professionalisierung in diesem Bereich. Gegenstand solcher Maßnahmen können beispielsweise mehrsprachige Ansätze sprachsensiblen Unterrichtens in den Sachfächern sowie mehrsprachigkeitsdidaktische Konzepte für den Unterricht in den Sprachfächern sein, verbunden jeweils mit Möglichkeiten zur Reflexion von Einstellungen.

Im Symposium soll Gelegenheit gegeben werden, aktuelle Forschungsergebnisse und Konzepte zur Lehrerprofessionalisierung hinsichtlich des Einbezugs von Mehrsprachigkeit in Schule und Unterricht vorzustellen und zu diskutieren. Willkommen sind Beiträge aus Bildungspraxis und Forschung, wobei sowohl pädagogisches Handlungswissen als auch Einstellungen adressiert werden können.

11:15 Uhr
Prof. Dr. Alexandra Budke & Dipl. Geogr. Michael Morawski (Universität zu Köln)

Dr. Angela Groskreutz (Europa-Universität Flensburg)

Dr. Erkan Gürsoy & Prof. Dr. Heike Roll (Universität Duisburg-Essen)

Dr. Johanna Mattissen-Piaszenski (Universität zu Köln)

Trang Schwenke-Lam (Universität Hamburg)

Anja Wilken (Universität Hamburg)

Leitung: Dr. Stefanie Bredthauer & Dr. Christoph Gantefort (Mercator-Institut)

Workshop – Praxis

Orthographie in hochheterogenen Lerngruppen vermitteln

Orthographische Kompetenzen streuen innerhalb einer Lerngruppe immer mehr oder weniger stark. Individualisierte Förderung ist daher grundsätzlich sinnvoll. In Regelklassen mit Zugewanderten ist dies lediglich in stärkerem Ausmaß der Fall. Im Workshop lernen Sie die neu entwickelten und unmittelbar verfügbaren Instrumente Hörtabelle und Silbenkette kennen, mittels derer Sie phonographische, silbische und morphologische Schreibungen individualisiert mit den LernerInnen erarbeiten können. Nicht nur, aber in besonderem Maße spielt für Zugewanderte in diesem Kontext die integrierte Artikulations- und Hörschulung eine wesentliche Rolle. Mithilfe passender schultauglicher Kompetenzraster können Sie den jeweiligen Lernstand bzw. Förderbedarf erfassen und die Einträge direkt für Förderentscheidungen nutzen.

Die vorgestellten Methoden lassen sich auf allen Schulstufen mit anderen Materialien und Ansätzen kombinieren und stellen Ihnen frei, ob Sie den Schriftvermittlungsprozess ausschließlich lautbezogen (Reichen), von Anfang an auch silbenbezogen (Röber) oder mittels Schrifterfahrungsansatzes (Schulte-Bunert) beginnen.

11:15 Uhr
Leitung: Prof. Dr. Anne Berkemeier (Pädagogische Hochschule Heidelberg)

Workshop – Praxis

Ausbildung- und Berufsvorbereitung im Unterricht an beruflichen Schulen und in der Erwachsenenbildung

Die Förderung der Sprachkompetenz von Schülerinnen und Schülern, die Deutsch als Zweitsprache erwerben, ist schon lange eine wichtige Aufgabe des Unterrichts an beruflichen Schulen. Dabei stehen Muttersprachler oft vor den gleichen berufssprachlichen Herausforderungen wie zugewanderte Schülerinnen und Schüler.

Damit neu zugewanderte Jugendliche in Förderklassen an berufsbildenden Schulen erfolgreich und möglichst rasch auf eine Ausbildung und Berufstätigkeit vorbereitet werden können, muss im berufsbezogenen Sprachunterricht in Alltags- und Bildungssprache und im sprachsensiblen Fachunterricht in Fachsprache eingeführt werden.

Sowohl im Sprach- als auch im Fachunterricht gilt es bildungs- und berufsprachliche Kompetenzen zu erwerben um die Voraussetzungen für berufliche Qualifikation herzustellen. Daneben sind Ziele und Inhalte des Unterrichts auf der Grundlage einer Bedarfsanalyse festzulegen, die die sprachlichen Anforderungen von Berufsfeldern berücksichtigen. Dies geschieht sinnvollerweise in Kooperation von Sprach- und Fachunterricht.

11:15 Uhr
Leitung: Prof. Dr. Hermann Funk (Universität Jena)

Workshop – Science

Zwischen Referenzrahmen und Profilanalyse – Wie kann ein integriertes Instrument zur Diagnose sprachlicher Kompetenzen neuzugewanderter Schülerinnen und Schüler aussehen?

Voraussetzung für eine gezielte Sprachförderung ist die Befähigung der Lehrkräfte zur Diagnose sowie das Vorhandensein geeigneter Diagnoseinstrumente. Dabei helfen informelle Verfahren, wie sie tagtäglich bei der Beobachtung und Bewertung von Schülerleistungen eingesetzt werden. Diese sollten jedoch durch standardisierte Diagnoseinstrumente ergänzt werden, um blinde Flecken und Fehleinschätzungen gegebenenfalls korrigieren zu können. Es gibt bereits einzelne, mehr oder weniger ausgereifte Diagnoseinstrumente, die Lehrpersonen in ihrer Arbeit unterstützen können. In der Praxis wirft die Erfassung von sprachlichen Kompetenzen jedoch viele Fragen auf: Wie lassen sich die Sprachkenntnisse der Schülerinnen und Schüler valide erfassen? Welche Diagnoseverfahren gibt es?

Im Workshop werden zunächst Expertinnen und Experten aus der (Sprachtest-)Forschung Impulse zu verschiedenen Verfahren der Sprachstandsmessung geben. Im praktischen Teil des Workshops sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich durchaus kritisch mit den verschiedenen Verfahren auseinandersetzen und diese anhand von konkreten Textbeispielen von Schülerinnen und Schülern auf ihre Qualität hin überprüfen. Dabei soll es zentral um die Frage gehen, inwieweit Diagnose als ein mehrstufiges System verstanden werden sollte, das nicht mit dem Einsatz eines Diagnoseinstruments beginnt und endet, sondern zunächst eine erste globale Einschätzung liefert, die dann durch weitere Verfahren konkreter Teilleistungen (wie z.B. Wortschatz) vertieft werden sollte.

11:15 Uhr
Leitung: Prof. Dr. Hans-Joachim Roth (Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache)

Fachgespräch

Schulorganisatorische Modelle und der Übergang ins Regelsystem

Das Fachgespräch zum Thema „Schulorganisatorische Modelle und der Übergang ins Regelsystem“ gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil stellen Referentinnen und Referenten aus Wissenschaft, Bildungsadministration und Schulpraxis ihre Perspektiven in kurzen Impulsvorträgen vor. Die wichtigsten Leitfragen, die in diesem Zusammenhang beantwortet werden sollen, betreffen die schulorganisatorischen Einbindung und/oder des Übergangs ins Regelsystem sowie die Herausforderungen für die Akteurinnen und Akteure. Zudem wird danach gefragt, was sich bewährt hat, welche Wünsche formuliert werden können und welche Bearbeitungsfelder sich zeigen.

Im Anschluss an die Impulsvorträge berichtet ein ehemaliger neu zugewanderter Schüler von seinen Erfahrungen im deutschen Bildungssystem. Beides wird von weiteren Referentinnen und Referenten aufgenommen und im Rahmen einer Podiumsdiskussion kommentiert. Im weiteren Verlauf wird die Diskussion für das Plenum geöffnet.

11:15 Uhr
Leitung: Dr. Nora von Dewitz (Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache) & Mona Massumi (Zentrum für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln)

Fachgespräch

Lehr-/Lernmaterialien für Neuzugewanderte

Lehrkräfte in Vorbereitungsklassen stehen vor der Herausforderung, alters- und leistungsgemischte Lerngruppen mit zum Teil sehr unterschiedlichen Bedarfen auf den Regelunterricht vorzubereiten. Eine von verschiedenen Gelingensbedingungen für diese Aufgabe sind gute Lehr-/Lernmaterialien. 

Es liegt jedoch bisher kaum ausgereiftes Material vor, was besonders die Sekundarstufe betrifft. Es gibt außerdem kaum Vorgaben bezüglich Niveau­stufen, keine Curricula und keine dezidierte Ausrichtung auf Tests – also keinen Standard für Inte­grationslehrwerke.

Wie ein Lehrbuch für den Unterricht mit Neuzugewanderten aus wissenschaftlicher und praktischer Perspektive gestaltet sein müsste und wie es entsteht, wird im Fachgespräch von Lehrkräften in Vorbereitungsklassen, Autorinnen aktueller DaZ-Lehrwerke und einem Verlagsvertreter diskutiert. Zudem wird überlegt, wie Lehrwerke den Übergang in die Regelklasse unterstützen können.

11:15 Uhr
Leitung: Dr. Iris Günthner (Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache)

Fachgespräch

Lernziele und curriculare Grundlagen für Vorbereitungsklassen

Der Unterricht in Vorbereitungs- bzw. Willkommensklassen verfolgt eine ambitionierte Zielsetzung: Die Schülerinnen und Schüler sollen in kurzer Zeit Kompetenzen in der Zweitsprache Deutsch aufbauen, die es ihnen ermöglichen, am Regelunterricht aller Fächer teilnehmen zu können. Neben allgemeinsprachlichen Kompetenzen setzt eine erfolgreiche Teilnahme am Regelunterricht vor allem bildungs- und fachsprachliche Kompetenzen voraus.

Vor diesem Hintergrund befassen wir uns mit den folgenden Fragestellungen:

  • Was genau sollen Schülerinnen und Schüler in Vorbereitungsklassen eigentlich lernen? Welche konkreten Lernziele lassen sich formulieren?
  • Welche Anforderungen muss ein Curriculum für Vorbereitungsklassen erfüllen?
  • (Wie) Werden die bisher existierenden Curricula in den Ländern diesen Anforderungen gerecht?

Wir erarbeiten uns Zugänge zum Thema aus verschiedenen Perspektiven. Den Auftakt macht Prof. Christoph Schroeder (Universität Potsdam) mit einem Vortrag, der sich kritisch mit bestehenden Richtlinien und Curricula für den Unterricht in Vorbereitungsklassen auseinandersetzt. Dabei konzentriert er sich auf Fragestellungen, die vor allem sprachwissenschaftliche Themen berühren, so unter anderem wieweit Erkenntnisse zu Erwerbsverläufen in Deutsch als Zweitsprache oder Erkenntnisse der Schriftspracherwerbsforschung in die Curricula aufgenommen werden. Der Vortrag wird kommentiert und ergänzt aus der Perspektive der Sprachdidaktik; dabei soll grundsätzlich die Bedeutung von und die Erwartungen an Curricula im Rahmen der Konzeption und Durchführung von Unterricht in Vorbereitungsklassen verdeutlicht werden.

Im zweiten Teil des Fachgesprächs stehen die bereits vorhandenen Curricula und curricularen Grundlagen in den Ländern im Fokus. In drei kurzen Impulsvorträgen aus verschiedenen Bundesländern werden aktuelle Lösungen und Herausforderung bei der Curriculumentwicklung vorgestellt und mit den Teilnehmenden des Fachgesprächs diskutiert. Aus einer abschließenden Expertenrunde gehen idealerweise konkrete Empfehlungen für die Curriculumentwicklung für Vorbereitungsklassen hervor.

11:15 Uhr
Leitung: Prof. Dr. Christoph Schroeder (Universität Potsdam)

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