© A. Etges/Mercator-Institut

Neu zugewanderte Kinder und Jugendliche in der Schule

Die Frage, wie neu zugewanderte Kinder und Jugendliche ohne bzw. mit geringen Deutschkenntnissen in das deutsche Schulsystem aufgenommen werden, bewegt derzeit Lehrkräfte und Schulleitungen ebenso wie Länder und Kommunen. Die Zuwanderung von Familien mit schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen aus dem europäischen und außereuropäischen Ausland wächst stetig, unter anderem durch die steigende Zahl von Menschen, die durch Krieg oder wirtschaftliche Krisen gezwungen sind, ihr Herkunftsland zu verlassen.

Wie gelingt es, die Schülerinnen und Schüler möglichst früh in das Schulleben einzubinden und ihnen gleichzeitig eine möglichst umfassende Sprachförderung zu ermöglichen? Welche Unterstützungs- und Fortbildungsangebote brauchen Lehrkräfte? Wie können Akteure vor Ort zusammenarbeiten, um allen Schülerinnen und Schülern den Zugang zu Bildung und Teilhabe zu erleichtern? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Netzwerk Neu zugewanderte Kinder und Jugendliche in der Schule, in dem sich das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache, das Zentrum für LehrerInnenbildung und der Arbeitsbereich Interkulturelle Bildungsforschung der Universität zu Köln zusammengeschlossen haben.

Bestandsaufnahme

Bisher gab es keine bundesweite Übersicht darüber, wie viele Schülerinnen und Schüler pro Jahr ohne bzw. mit geringen Deutschkenntnissen zuwandern und neu an Schulen kommen. Ebenso unklar ist, welche unterschiedlichen Modelle im Einsatz und welche Konzepte besonders erfolgsversprechend sind. Aus diesem Grund ist zunächst eine Bestandsaufnahme erfolgt, die einen Überblick über unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen, Modelle und Unterstützungsangebote in den 16 Bundesländern gibt. Die Studie wurden im Oktober 2015 veröffentlicht. Auf dieser Basis sollen Fragestellungen und Ansatzpunkte für künftige Forschungs- und Entwicklungsprojekte erarbeitet werden.

Lehrforschungsprojekt

Angehende Lehrkräfte bereits während des Studiums auf die schulische Praxis vorzubereiten –  das ist das Ziel des Lehrforschungsprojekts "Der Seiteneinstieg in das deutsche Schulsystem" an der Universität zu Köln. Zwei Studierende – je aus dem Lehramt und aus dem Masterstudiengang Interkulturelle Kommunikation und Bildung  – arbeiten im Tandem mit einer Kölner Schule zusammen. Im Anschluss an eine Vorbereitungsphase, in der die Studierenden in Methoden qualitativer Sozialforschung geschult werden, besuchen sie den Unterricht neu zugewanderter Schülerinnen und Schüler. Dort führen sie Interviews mit Lehrkräften, dokumentieren Lernmethoden und nehmen die Interaktion zwischen Lehrkräften, Schulleitungen sowie den Kindern und Jugendlichen untereinander in den Blick. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes werden Ende 2015 mit den beteiligten Schulen diskutiert.

Unterstützungsangebot für Lehrkräfte

Rund 1.200 Mädchen und Jungen ohne Deutschkenntnisse haben Kölner Schulen im Jahr 2014 aufgenommen. Häufig werden sie zunächst in extra eingerichteten Klassen unterrichtet, um ihnen so schnell wie möglich die Teilhabe am schulischen und gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Gemeinsam mit der Arbeitsstelle Migration der Bezirksregierung Köln hat das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache ein Unterstützungsangebot für Lehrkräfte entwickelt. In insgesamt zehn Einheiten werden zunächst 20 Lehrkräfte ein Jahr lang darin geschult, Schülerinnen und Schüler ohne bzw. mit geringen Deutschkenntnissen zu unterrichten. Sie sollen das Gelernte als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren an ihre Schulen tragen. Das Unterstützungsangebot besteht aus wissenschaftlichen Grundlagen und Praxiseinheiten zu den Themen Spracherwerb, Diagnostik und Förderung, Mehrsprachigkeit und Konzeption von Unterricht in Vorbereitungsklassen.

Auf einen Blick

Ziel

Die Frage, wie neu zugewanderte Kinder und Jugendliche ohne bzw. mit geringen Deutschkenntnissen in das deutsche Schulsystem aufgenommen werden, bewegt derzeit Lehrkräfte und Schulleitungen ebenso wie Länder und Kommunen. Mit dieser Frage beschäftigen sich drei Teilprojekte des Mercator-Instituts und des Zentrums für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln, die sich im Netzwerk Neu zugewanderte Kinder und Jugendliche in der Schule zusammengeschlossen haben.

Partner

Zentrum für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln (ZfL)

Arbeitsbereich Interkulturelle Bildungsforschung

Bezirksregierung Köln

Laufzeit

April 2014 bis April 2016

Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter

Johanna Grießbach

Mona Massumi (Zentrum für LehrerInnenbildung)

Dr. Nora von Dewitz

Dr. Henrike Terhart (Arbeitsbereich Interkulturelle Bildungsforschung)

Michalina Trompeta (Arbeitsbereich Interkulturelle Bildungsforschung)

Katarina Wagner

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