Aktuell
18. November 2014 Aktuelles Pressemitteilungen

Wie individuelle Förderung in Sprache, Schrift und Mathematik gelingen kann

Zweite bundesweite Fachtagung in Berlin stellte erprobte Konzepte für die Schulpraxis und Ergebnisse wissenschaftlicher Studien vor.

Wie kann eine individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern in Sprache, Schrift und Mathematik gelingen? Mit dieser Frage beschäftigten sich heute (18. November) 130 Expertinnen und Experten aus Bildungsadministration, Lehrerbildung und Schule. Empirische Untersuchungen haben gezeigt, dass zu viele Schulabgänger das Sinn entnehmende Lesen im Laufe ihrer Schullaufbahn nicht lernen und über keine mathematischen Grundfertigkeiten verfügen. Damit ergeben sich für diese Jugendlichen Risiken für den erfolgreichen Übergang in die berufliche Erstausbildung.

„Wir wollen mit dieser zweiten bundesweiten Fachtagung erprobte Konzepte für die Schulpraxis und neue Ergebnisse wissenschaftlicher Studien sowie der Bund-Länder-Initiative ‚Bildung durch Sprache und Schrift (BISS)‘ vorstellen“, sagte Dr. Thomas Riecke-Baulecke, Direktor des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) und Initiator des Treffens. „Zudem wollen wir den 2011 in Frankfurt begonnenen Austausch zwischen den Bundesländern zur individuellen Förderung fortführen und uns bei der Weiterentwicklung des Unterrichts und der Suche nach geeigneten Lehr- und Lernverfahren gegenseitig unterstützen“, ergänzte Riecke-Baulecke. Das IQSH stelle das Projekt „Niemanden zurücklassen – Lesen macht stark und Mathe macht stark“ vor.

„Individuelle Förderung heißt nicht, dass Lehrkräfte jedes Kind einzeln fördern. Damit sprachliche Bildung gelingt, muss sich die Schule als Ganzes auf den Weg machen, ein Konzept zu entwickeln. Die einzelne Lehrkraft kann dann auf unterschiedliche Methoden zurückgreifen, damit jedes Kind und jeder Jugendliche entsprechend seiner Fähigkeiten lernen kann. Dafür gibt es in der Forschung und insbesondere in der Praxis schon erprobte Konzepte“, erläutert Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek, Direktor des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache.

„Gelingendes Lernen in der Schule setzt in erster Linie einen guten Unterricht voraus. Dass Unterricht gelingt, ist wiederum entscheidend von den professionellen Kompetenzen der Lehrerinnen und Lehrer abhängig“, sagte Prof. Dr. Olaf Köller, Direktor des Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) aus Kiel. Um solche professionellen Kompetenzen auf- und auszubauen, müssten Wissenschaft und schulische Praxis eng zusammenarbeiten. In dieser engen Kooperation zwischen Theorie und Praxis liege die große Chance, zukünftiges Lernen in der Schule noch erfolgreicher zu machen.

„Für die Etablierung fokussierter Förderung im Mathematikunterricht hat sich in den letzten drei Jahren einiges getan: Das Institut für Erforschung und Entwicklung des Mathematikunterrichts in Dortmund (IEEM) kooperiert mit vier Bundesländern (Schleswig-Holstein, Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen), um die in Dortmund entwickelten Diagnose- und Förderkonzepte für rechenschwache Jugendliche in die Unterrichtspraxis zu bringen“, sagte Prof. Susanne Prediger, Institutsleiterin des IEEM und Projektleiterin des Projekts „Mathe sicher können“. „Wir sind begeistert zu sehen, wie unsere Forschungs- und Entwicklungsergebnisse nun in der Breite die Unterrichtspraxis erreichen“, freute sich Prediger. Die Bundesländer brächten dabei ihre eigenen Expertisen und Strukturen gewinnbringend in die Kooperation ein.

„Wir wissen schon lange, dass Schulklassen in Deutschland immer heterogener werden. Es ist erfreulich, dass die Fachtagung Bund und Länder zusammenführt, um nicht nur das Potenzial zu diskutieren, das Heterogenität in Schule bietet, sondern auch konkrete Ansätze aufzeigt, wie Förderung individuell gestaltet werden kann,“ erklärte Beiratsvorsitzender Wolf-Rüdiger Feldmann die Unterstützung der Cornelsen Stiftung Lehren und Lernen.

Die Fachtagung ist eine gemeinsame Veranstaltung des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein mit der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft Berlin, dem Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), dem Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache, dem Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN), dem Institut für Entwicklung und Erforschung des Mathematikunterrichtes der Technischen Universität Dortmund (IEEM) sowie der Cornelsen Stiftung Lehren und Lernen. Tom Stryck begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Namen der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft.


nach oben